Herbst 1999. Roland Ziegler reist als Mitinhaber eines Familienunternehmens nach Berlin, um an einer Konferenz über die Entschädigung ehemaliger Zwangsarbeiter während des Zweiten Weltkriegs teilzunehmen. In einem Café lernt er Zoe kennen, eine junge Jazz-Sängerin, die ihm abends bei einem Konzert einen klassischen Song widmet: "You don't know, what love is." Zoe begleitet Roland nach Amsterdam und wird für ihn zu seiner großen Liebe. Befreit von alltäglichen Zwängen erleben sie eine vorher nie gekannte Nähe. Doch die Familie, die Firma und deren Vergangenheit melden sich bald zurück. Und Zoe ist plötzlich verschwunden. Eindringlich und klar erzählt Ulrich Woelk von zwei gegensätzlichen Menschen, die eines verbindet: Angehörige einer Generation zu sein, die den Versprechungen der großen Gefühle misstraut. Und die am Ende genau das erleben, was ihnen unmöglich erschien: Eine große Liebesgeschichte.
Trocken der Titel, doch wild die Liebesgeschichte, die Ulrich Woelk hier zu dem Zweck erzählt, über die Herkunft der Gefühle zu reflektieren, meint Simone Jung. Rundum zufrieden ist sie zwar nicht: Was das Psychologische betrifft, ist Woelk zwar Meister, doch empfindet sie Woelks Konstruktion hier als über-akkurat. Auch hält sie die zu symbolischen Zwecken eingestreuten Momente für in ihrer Bedeutung etwas zu offensichtlich ausgestellt. Und dennoch: Die Darstellung von "Atmosphären zwischen Menschen" gelängen dem Autor mit Bravour, auch gefällt der Rezensentin, wie Woelk den Roman poetisch ausschmückt, ohne es dabei an Nüchternheit missen zu lassen. Schön, meint Jung.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.04.2013
Im neunten, nun unter dem Titel "Was Liebe ist" erschienenen Roman ist Ulrich Woelk wieder ganz auf der Höhe seines "Sprachvermögens und seiner Dialogkunst", jubelt Rezensent Jochen Hieber. Dennoch muss der ansonsten hingerissene Kritiker einige Abstriche machen - zumindest, was den Schluss dieses Romans betrifft. Zuvor liest Hieber aber eine wunderbar originelle und rätselhafte Liebesgeschichte zwischen dem Unternehmer Roland Ziegler, der im Herbst 1999 an einem Kongress um Entschädigungszahlungen an Zwangsarbeiter im Nationalsozialismus teilnimmt und der Jazz-Sängerin Zoe, die zugleich mit ihrem älteren Mentor liiert ist. Der Rezensent schwärmt nicht nur von diesem herrlich klischeefreien "Beziehungsballett", sondern lobt auch die Kunst des Autors, mit brillanten Effekten das Leitmotiv des Betrugs - etwa ein Erlebnis mit einem Hütchenspieler oder Zieglers nahezu "slapstickhaftes" Verschweigen seiner Epilepsie - immer wieder auftreten zu lassen. Wären da bloß nicht die letzten vierzig "qualvoll" konstruierten Seiten, die den intelligenten und mysteriösen Protagonisten ihren ganzen Reiz nehmen, seufzt der Kritiker. Nichtsdestotrotz kann er dieses Buch unbedingt empfehlen.
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