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Stuart E. Eizenstat

Unvollkommene Gerechtigkeit

Der Streit um die Entschädigung der Opfer von Zwangsarbeit und Enteignung
Cover: Unvollkommene Gerechtigkeit
C. Bertelsmann Verlag, München 2003
ISBN 9783570006801
Gebunden, 480 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Helmut Ettinger und Holger Fliessbach. Mit einem Vorwort von Eli Wiesel. Im Jahr 1999 kamen unvorstellbares Leid und unzählbarer Verlust durch Hitlers Unrechtsregime zur öffentlichen Verhandlung. Unter großer internationaler Anteilnahme wurden Entschädigungen für NS-Opfer und die Rückgabe von jüdischem Vermögen ausgehandelt. Erstmals wird nun ein Blick in die Akten gewährt. Stuart E. Eizenstat, Chefunterhändler der USA, schildert den internen, konfliktreichen Verhandlungsverlauf, der politische und historische Hintergründe und die Schicksale hinter den Zahlen zutage brachte. Gerechtigkeit konnte hier nur unvollkommen sein. Im Gegenzug gelang es, namhafte Banken, Versicherungen und Konzerne durch politischen Druck als Profiteure zu entlarven und wieder auflebende antisemitische Strömungen aufzuzeigen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.07.2003

Dieses "überaus aufschlussreiche und faszinierend geschriebene Buch", lobt Rezensent Jürgen Jeske, "sollte Pflichtlektüre für alle werden, die sich mit der Entschädigung von Nazi-Opfern, aber auch für alle, die sich "mit den Mechanismen amerikanischer Politik" beschäftigen. Sein Autor, ist von Jeske zu erfahren, war der Sonderbeauftrage Präsident Bill Clintons für alle Vermögensfragen der Holocaust-Ära und Chefunterhändler der amerikanischen Seite bei den Gesprächen über die deutsche Stiftung zur Zwangsarbeiter-Entschädigung. Eizenstat wehrt sich in seinem Buch, erfährt der Leser weiter, gegen den Vorwurf einer "Holocaust-Industrie", verteidigt Sammelklagen, trotz vieler Probleme, als legitimes Druckmittel sowie sein Vorgehen in den Verhandlungen mit der deutschen Wirtschaft und rechnet sich als wichtigste Hinterlassenschaft seiner Arbeit zugute, dass endlich "die Wahrheit über das ungesühnte Unrecht an Millionen von Menschen" an den Tag gekommen sei. Und das beinhaltet durchaus auch, wie Jeske betont, Kritik an der Flüchtlingspolitik der Roosevelt-Regierung. Außerdem verdeutliche Eizenstats Buch, bemerkt Jeske noch, dass mit der Aufarbeitung der Holocaust-Vermögensfragen "eine neue Entwicklung zivilrechtlicher Haftung bei Menschenrechtsverletzungen" in Gang gekommen sei.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 14.07.2003

Marianne Heuwagen bespricht in einer Doppelrezension zwei Bücher über die Geschichte der Entschädigung ehemaliger Zwangsarbeiter in Deutschland. Das Buch "Unvollendete Gerechtigkeit" von Stuart E. Eizenstat überzeugt die Rezensentin durch die Breite der untersuchten Hintergründe. Stuart Eizenstat, der die Verhandlungen mit der deutschen Wirtschaft über eine Entschädigung ehemaliger NS-Zwangsarbeiter leitete, arbeite das "gesamte Spektrum" der Folgen des Zweiten Weltkriegs auf, lobt Heuwagen, der es gefällt, dass der Autor nicht nur aus seiner "persönlichen Perspektive" berichtet, sondern auch andere wichtige Protagonisten der Verhandlungen um die Entschädigung von ehemaligen Zwangsarbeitern eingehend vorstellt. Dadurch entstehe ein "komplexes Bild" dieses schwierigen Kapitels deutscher Geschichte, so die Rezensentin anerkennend. Lediglich dass Eizenstat den Eindruck erweckt, die Entschädigungszahlungen deutscher Konzerne seien ausschließlich auf Druck der amerikanischen Regierung erreicht worden, findet Heuwagen ungerecht und sie weist auf die Bemühungen um Entschädigungen seitens der rot-grünen Bundesregierung hin.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 01.07.2003

Stuart E. Eizenstats Buch "Unvollkommene Gerechtigkeit" bietet nach Ansicht von Rezensent Christian Semler ein nüchternes Resümee der Verhandlungen zwischen Industrie und Opferverbänden über die Entschädigungen der NS-Zwangsarbeiter. Für "Politikerverhältnisse" - Eizenstat war als ehemaliges Mitglied der amerikanischen Regierung an den Entschädigungsverhandlungen führend beteiligt - findet Semler das Buch "erstaunlich offenherzig". Es geize nicht mit "deftigen Details" und verzichte weitgehend auf "Selbstbeweihräucherung", schreibt Semler. Er hebt hervor, dass sich Eizenstat in seinem Bericht keinen Illusionen über die Motivation - Rechtssicherheit vor Klagen und Repressalien auf dem amerikanischen Markt - der Stifter hingibt. Eizenstats Schilderung des gegenseitigen Misstrauens sowie des späteren Streits um die Verteilung der 10-Milliarden-Summe zwischen den osteuropäischen Opferverbänden und denen der jüdischen Seite ist in Semlers Augen "ebenso offen wie ausführlich".

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 26.06.2003

"Höchst informativ" findet Klaus-Peter Schmid Eizenstats Buch über die Entschädigung von Zwangsarbeitern des Dritten Reiches. Der Autor, der bei den Verhandlungen die amerikanische Regierung vertrat, bietet den Lesern ein "packend geschriebenes Stück Zeitgeschichte". Nachdem Helmut Kohl im Sommer 1998 Entschädigungsforderungen schroff abgelehnt hatte, machte erst der Regierungswechsel die Verhandlungen möglich, wie Schmid schreibt. Aber auch danach sei es wegen der vielfältigen Rivalitäten und Uneinsichtigkeiten keineswegs einfach für die Beteiligten gewesen, schließlich eine Einigung hervorzubringen. Das "harte Ringen um Milliarden" beschreibt der Autor "ohne Beschönigung", findet Schmid, und lobt ihn für seine "erfrischende" Darstellung. Nur die Kritik an Daimler-Chrysler-Vorstandsmitglied Manfred Gentz, der sich in der Wirtschaft doch für den Opferfonds eingesetzt habe, hält Schmid für ungerechtfertigt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 19.03.2003

Rudolf Walther ist ganz angetan von Stuart E. Eizenstats Rechenschaftsbericht, in dem dieser "sehr sachlich" und "sehr persönlich" seine Zeit als "Sonderbeauftragter für Vermögensrückführung" der Clinton-Administration dokumentiere. Eizenstat beschreibt chronologisch die Verhandlungen mit den jüdischen Gemeinden in Mittel- und Osteuropa, den Deal mit den Schweizer Banken sowie die Abkommen mit der österreichischen und deutschen Wirtschaft und schließlich mit dem französischen Staat. Dabei widerlege Eizenstat überzeugend die Legende von einer Kampagne gegen die Schweiz, sein Urteil in dieser Sache lobt der Rezensent als "ausgewogen". Auch wenn der Autor zuweilen suggestiv argumentiert und in der Faktendichte "weit hinter der Bergier-Kommission zurückbleibt", vermittelt er doch einen anschaulichen Überblick über Motive, Parteien und Argumente der Prozesse um die Wiedergutmachung von Zwangsarbeit und Enteignung, lobt der Rezensent.