130 Kilo Fett liegen neben Birte auf der Matratze sie selbst staunt am meisten darüber, wie sehr man so etwas lieben kann. Ein Hobbytierschützer liegt nachts lieber Fledermäusen auf der Lauer als neben seiner Frau, und Schnebel, auch "Scheba" genannt, kocht den Mobbing-Kollegen ein Abschiedsmahl, das ihnen noch lange im Magen liegen wird. Ulrike Draesners neue Erzählungen werfen furiose Schlaglichter auf Lieben, Karrieren und die Unberechenbarkeit des Glücks.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.11.2011
Nach der Lektüre von Ulrike Draesners siebzehn unter dem Titel "Richtig liegen" versammelten Kurzgeschichten bleibt Rezensent Oliver Jungen "auf schöne Weise ein wenig traurig" zurück. Wenn Draesner in ihren ebenso poetischen wie rätselhaft-grotesken Erzählungen über den Versuch von Paarbeziehungen in einer egomanischen Gesellschaft der routinierte und ökonomische Alltag ihrer Protagonistinnen immer wieder durch Begehren und Lüste durchbrochen wird, fühlt sich der Rezensent an Kafkas Surrealismus erinnert. Mit viel Feingefühl schildere Draesner ihre tragischen, sich nach Zuneigung sehnenden Figuren: dem Kritiker begegnet hier beispielsweise eine Fledermausforscherin, die sich ähnlich ihren Forschungsobjekten in den Kopfstand begibt, um die von fünf Männern angesammelten Spermien ein Wettrennen austragen lassen will.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 10.06.2011
Höchste Rezensentenseligkeit stellte sich bei Rolf-Bernhard Essig mit Ulrike Draesners Geschichtenband "Richtig liegen" ein, auch "Bildtrunkenheit, Denkgenuss" kann er melden. Wovon Draesners Erzählungen handeln, ist nicht ganz leicht wiederzugeben, Personen, Orte und Konstellationen sprudeln nur so aus Essigs heraus. Eine Frau, die aus allen Ländern Europas einen Liebhaber erlebt haben möchte; ein diabolisches Trio, das mit arglosen Urlauber Geschäfte treibt, eine laufsüchtige Sportlerin. Immer jedoch geht es um desorientierte Mittelklässler, um Sehnsucht, Gier und Sex, höchst intelligent findet der Rezensent die Geschichten kompiniert, ebenso witzig wie böse. Kleine Ungenauigkeiten oder eine aktive Rolle von Weibchen beim Sex will Essig der Autorin aber - bei aller Liebe - nicht durchgehen lassen: "Bei Fledermäusinnen ist nicht 'Ficken Gedächtnistraining', sondern das Geficktwerden."
Robert Seethaler: Die Straße Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in… Nelio Biedermann: Lázár Alles beginnt, sogar das Ende, als Lajos von Lázár, das blonde Kind mit den wasserblauen Augen, zur Welt kommt. Seinem Vater, dem Baron, wird der Sohn nie geheuer sein, als… Lukas Rietzschel: Sanditz Ein imposantes Bild der deutschen Gesellschaft - von der DDR bis in die GegenwartSanditz, eine Kleinstadt am Rande der Republik. Hier leben alte Offiziere, Bürgerrechtler,… Elizabeth Strout: Erzähl mir alles Aus dem Englischen von Sabine Roth. Elizabeth Strout kehrt zurück in die Küstenstadt Crosby in Maine - zu ihren Heldinnen Lucy Barton und Olive Kitteridge. Es ist Herbst…