Ulrike Draesner

zu lieben

Roman
Cover: zu lieben
Penguin Verlag, München 2024
ISBN 9783328603412
Gebunden, 352 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

"Ich hatte mir immer eine Familie gewünscht. Irgendwann dachte ich, dieser Wunsch erfüllt sich nicht mehr. Da kam ein Anruf, und ich wusste, es wird einen neuen Menschen in meinem Leben geben. - Davon will ich erzählen: von Hürden, Begegnungen, der ersten Nähe. Von Fremdheit. Es ist die Geschichte vom Ernstnehmen eines Kindes. Die Geschichte einer Mutter, deren Mutterschaft immer gefährdet ist. Unsere Geschichte." Mit einem Flug nach Sri Lanka, wo ein Kind auf seine zukünftigen Eltern wartet, beginnt in Ulrike Draesners Buch eine Reise ins Ungewisse. Sie handelt von Ängsten, Zärtlichkeit, von Identitäten zwischen den Kontinenten, von Missverständnissen und Gefahr. Wie wird man eine Familie? Was bedeutet Elternschaft in einer Gesellschaft im Umbruch, in der immer mehr Kinder in ungewohnten Familienkonstellationen aufwachsen? Unkalkulierbar der Prozess. Groß die Überraschungen, unbedingt notwendig der Humor. Was empfindet wohl Mary, das dreijährige Mädchen, das die Welt wechseln muss? Was geschieht mit dem Paar? Und wie findet man sich, ist der Rückflug erst einmal geschafft, als bunte Familie im Deutschland der weißen Menschen zurecht?

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 04.12.2024

Unglaublich viele Facetten eröffnet dieses Buch, staunt Rezensentin Cornelia Geißler. Ulrike Draesner schreibe so "freimütig" und "zugänglich", dass die Kritikerin das Gefühl hat, jeden Schritt der Protagonisten selbst mitzugehen. Draesner erzähle die Geschichte eines Paares, das nach mehreren gescheiterten Versuchen ein Kind zu bekommen, ein Kind aus dem Ausland adoptiert. Dabei kann das Paar nicht einmal beantworten, weshalb es so dringend ein Kind haben möchte, schließlich scheitert die Beziehung auch daran. Für Geißler wird der Text auch zum Dokument darüber, "wie eine Liebe schwindet". Sie hat den Eindruck hat, die Erzählung sei "mitten aus dem Leben" entstanden. In der Entfaltung der Mutter-Tochter-Beziehung ist das Buch - das eher einem Selbstzeugnis als einem Roman gleicht, wie schon der durchgestrichene Untertitel auf dem Umschlag die Rezensentin vermuten lässt - so intensiv, dass Geißler es gar nicht genug empfehlen kann. Und wie leichthändig Draesner Themen wie Identität, Kommunikation und Elternschaft behandelt, beeindruckt die Rezensentin außerdem. Ein Buch von "Gewicht", schließt sie.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 21.11.2024

Ulrike Draesner hat ein Kind aus Sri Lanka adoptiert, so auch die Erzählerin ihres neuen Buches, auf dem die Gattungsbezeichnung Roman durchgestrichen ist und die die Kritikerin Andrea Köhler auch deshalb mit der Autorin in eins setzt. Es geht um ebenjenen Prozess der Adoption, darum, dass Liebe zwischen Eltern und Kind manchmal erst wachsen muss, darum, was es bedeutet, als weiße Frau ein schwarzes Kind zu adoptieren und darum, was das alles mit der Paarbeziehung der Eltern macht, lesen wir. Köhler lobt dabei, wie nuanciert Draesner über diese schwierigen Gefühle zwischen Enttäuschung, Fremdheit und überwältigender Liebe schreibt - so wird die beeindruckende Geschichte auch emotional gut nachvollziehbar, wie sie resümiert.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 15.11.2024

Nico Bleutge empfiehlt Ulrike Draesners Buch über die Geschichte der Adoption eines Mädchens aus Sri Lanka als gelungenes Buch über Elternschaft mit der nötigen Vielschichtigkeit und Empathie. Das Schillern des Buches zwischen Roman und autobiografischer Rekonstruktion findet er passend, weil es die Arbeit des Gedächtnisses abbildet, wie er findet. In der "Feinstruktur" des Textes nutzt Draesner entsprechend Sprünge und Assoziationen, stellt er fest. Sprachlich changiert der Text laut Bleutge zwischen Flapsigkeit und starker Emotion, auch das für ihn ein gekonnter Kunstgriff, der die involvierten Gefühle konturiert. Dass die Autorin auch die größeren sozialen Umstände der Adoption miteinbezieht, hält der Rezensent für gelungen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.10.2024

Dass auf dem Titel von Ulrike Draesners neuem Buch die Gattungsbezeichnung "Roman" durchgestrichen ist, zeigt Rezensentin Melanie Mühl, dass sie es durchaus mit autobiografischen Anteilen zu tun hat in dieser Geschichte einer Adoption, einer Mutterschaft. Die Erzählerin, die sie mit der Autorin in eins setzt, ist mit ihrem Mann nach Sri Lanka geflogen, um die dreijährige Mary aus einem Heim zu adoptieren - das gestaltet sich durchaus problematisch, denn Mary kann sich zunächst nicht auf die "Elternbereitschaft" der beiden einlassen, was Mühl zufolge einfühlsam und gefühlsreich geschildert wird. Dass die Tochter ihr näher kommt, während der Mann sich entfremdet und letztlich mit einer anderen, jüngeren Frau ein Kind bekommt, zeigt auch die Schwere dieser besonderen Liebeserklärung - ein Buch, "das nachhalt, aufwühlt, froh macht", resümiert die Kritikerin.

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