Popmusik, Werbung, Mode und Kulturbetrieb sind voll von Symbolen und Szenarien der grausamen Lust. Wann immer eine Hure dargestellt wird, ist es eine strafende Domina und das Geschäft mit Handschellen, Knebeln und Peitschen boomt. Akademiker und Intellektuelle sprechen ehrfürchtig von den Nachtseiten der Sexualität. Ulrike Heider geht in diesem Buch Philosophien und Ideologien auf den Grund, die sich um das Phänomen Sadomasochismus ranken. Ihr Buch ist eine kritische und aufklärerische Erwiderung auf den erotischen Irrationalismus von Philosophen und Literaten wie dem Marquis de Sade, seinem Schüler Georges Bataille und seiner Schülerin Pauline Rèage, Verfasserin der Geschichte der O. Kritik erfahren auch der Vordenker der Postmoderne Michel Foucault, die Bestsellerautorin Erika Leonard und die Queer-Ikone Paul B. Preciado.Als wiederkehrende Merkmale der Ideologien zu der mit Gewalt gepaarten Lust erkennt die Autorin meist unverblümte Misanthropie, autoritäres pädagogisches Konzept, blasphemisch getarntes Religionsbedürfnis und der Komplex von Schuld und Sühne. Schmerzen und Erniedrigungen dienen als Strafen wie einst im Mittelalter und die Erotik steht ganz im Bann ihres Verbots.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 24.01.2023
Rezensent Micha Brumlik schätzt Ulrike Heider als Autorin bemerkenswerter Studien zur sexuellen Revolution oder der Poesie der Schwulenbewegung. Wenn sie sich den Sadomasochismus vornimmt, horchte er auf. Heider deutet sadomasochistisches Handeln einerseits als Teil einer kapitalistischen Unkultur von Konkurrenz, Leistungszwang und Gewalt, andererseits als eine Form des autoritären Elitarismus, mit der etwa der Marquis de Sade seine schwindende Adelsprivilegien kompensiert habe. Auch eine enge Verbindung zur Religion arbeite Heider heraus. Lehrreich, wenn auch unerfreulich findet Brumlik Heiders Gedanken, aber er betont auch, dass die Autorin keinerlei psychoanalytische Überlegungen miteinbeziehe.
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