Neben Fremden
Roman

Jung und Jung Verlag, Salzburg 2025
ISBN
9783990274262
Gebunden, 192 Seiten, 24,00
EUR
Klappentext
Rosa war Krankenpflegerin, seit sie in Pension ist, hat sie nur mehr wenig mit Menschen zu tun. Die einzige Freundin ist eine ehemalige Kollegin, die Nachbarn halten sie auf Distanz, dabei möchte sie nur helfen. Das Verhältnis zur Mutter war nie gut, es wird nicht besser, seit diese auf Hilfe angewiesen ist und die Tochter mehr und mehr zu vereinnahmen versucht. Und auch einen Mann gibt es, aber der ist verheiratet. Als er überraschend stirbt, bleibt Rosa nur der Campingbus, den er ihr einmal geschenkt hat. Doch was soll sie damit? Ist er eine Chance auf ein anderes Leben, vielleicht die letzte? Als sie den Aufbruch wagt, erreicht sie ein Brief von ihrem Sohn, der vor Jahren den Kontakt zu ihr abgebrochen hat. Er wollte nichts mehr mit ihr zu tun haben - nun weiß sie immerhin, wo er lebt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.11.2025
Die Rezensentin Daniela Strigl ist angetan von Eva Schmidts leiser Kunst, "mehr zu halten, als sie verspricht". Aus scheinbarer Alltäglichkeit - "Ich ließ Kaffee aus der Maschine" - entwickelt die Autorin die Geschichte der pensionierten Krankenschwester Rosa, die nach dem Tod ihres Freundes und mit einem Campingbus vorsichtig aus ihrer Einsamkeit aufbricht, resümiert die Kritikerin. Strigl schätzt Schmidts lakonische Prosa, die ohne "Pauken und Trompeten" von Verletzungen, verpasster Nähe und kleinen Hoffnungen erzählt. Begegnungen bleiben unspektakulär, aber bedeutsam: mit der Nachbarin Mele, deren Tochter Paz oder einem "Eremit(en) im Wald". Eindrücklich findet die Kritikerin die beiläufigen Sätze, die Wucht entfalten, etwa: ""Wenn du erst einmal anfängst, rückwärts zu denken (…) geht's dem Ende zu."
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 13.09.2025
Rezensentin Sigrid Brinkmann liest Eva Schmidts Roman mit Gewinn: Darin bewegt sich die circa 70 Jahre alte Protagonistin Rosa ziemlich orientierungs- und anspruchslos durch ihr Leben, ohne wirklich mit anderen Menschen in Kontakt zu kommen. Schmidt schildert auch die Vergangenheit Rosas, sie läuft jung von Zuhause weg, wird ungeplant schwanger, später ist es ihr Sohn, der sich ebenfalls aus dem Staub macht, erfahren wir. In zuspitzend treffender Weise vermag es die Autorin für Brinkmann, die Unterschiede zwischen innerem und äußerem Erleben darzustellen, als Rosa glaubt, ihren Sohn wiederzusehen, ohne zu verraten, ob er es wirklich ist. Das Leiden der Figur ist ein "Leiden an sich selbst", das Schmidt gerade durch ihren nüchternen Ton gelungen vermittelt, meint Brinkmann, ebenso wie die Überzeugung, dass es niemandem zustehe zu beurteilen, wessen Leben erfüllt ist und wessen nicht.