Uta-Maria Heim

Wem sonst als Dir

Roman
Cover: Wem sonst als Dir
Klöpfer und Meyer Verlag, Tübingen 2013
ISBN 9783863510640
Gebunden, 260 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Christian Schöller wurde wegen Totschlags zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt. Ihm wurde zur Last gelegt, er habe seine Mutter erstochen. Nach seiner Haftentlassung wurde er ins Psychiatrische Zentrum Freudenthal überführt. Zwanzig Jahre später nimmt der damalige Staatsanwalt K. Kontakt zu Schöller auf - und bittet um Vergebung dafür, dass er damals für die Höchststrafe plädierte. K., heute Richter, fürchtet, sein Plädoyer mündete in ein Fehlurteil. Ist Schöller unschuldig? Dass Schöller in einer Einrichtung untergebracht ist, deren "Anstaltspfleglinge" 1940 fast alle der "Euthanasie" zum Opfer fielen, macht ihm schwer zu schaffen. Seine Mutter hat in Grafeneck als Küchenhilfe gearbeitet, als dort 1940 annähernd 11.000 Menschen im Gas ermordet wurden. Für Richter K., der sich durch Aktenberge wühlt, wird der Fall immer undurchsichtiger. Tatenlos, ohnmächtig muss Klara, die Lebengefährtin von K., zusehen, wie er sich in eine Geschichte hineinsteigert, an der sich nichts mehr ändern lässt. Zu spät begreift K., welch tragische Rolle er spielte.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 29.03.2014

Mit all den Fußnoten, die wesentliche Hintergründe zum eigentlichen Geschehen beisteuern, gestaltet sich die Lektüre dieses lose vom Krimi beeinflussten, im schwäbischen Hinterland situierten Romans über die Verbindungslinien dunkler deutscher Geschichte von den Nazis über die RAF bis hin zur Stasi auf einem E-Reader nicht gerade als komfortabel, klagt Rezensentin Katharina Granzin zu Beginn ihrer dann aber doch im wesentlichen positiven Besprechung. So berichtet sie von einer komplex konstruierten historischen Schuldstruktur, die diesem "sprachgewaltigen Schwaben-Heimatroman", der auch vor Mundart nicht Halt macht, zugrunde liegt und dessen Protagonisten bestimmt. Dass die Autorin sich nicht davor fürchtet, ihren Roman symbolisch zu überladen, findet die Rezensentin schon auch deswegen sehr respektabel, weil dieses Buch mit seiner reichen Fülle nicht zuletzt auch sein Lesepublikum auf offenbar fruchtbare Weise irritieren soll - auch wenn man akzeptieren muss, dass am Ende nicht jedes Rätsel gelöst wird.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 17.03.2014

Recht kurz fasst sich Sylvia Staude in ihrer Besprechung von Uta-Maria Heims neuem Krimi. Dass die Autorin sich für ihren Buchtitel bei Hölderlin bedient hat, scheint Staude eine Erwähnung wert. Wohl auch deshalb, weil ihr die Autorin mindestens ungewöhnlich erscheint in ihrer Art und Weise, Krimis zu schreiben. Als eigenwillige Sprachfricklerin bezeichnet sie Heim, manchmal ein wenig zu ambitioniert, wie Staude einräumt, wenn die Autorin ihre Figur, einen Psychiatriepatienten, Worte zwischen Verwirrung und Originilaität in den Mund legt. Dass gar nicht allzu viel geschieht in diesem Buch, keine Ermittlungen, keine Action, scheint Staude hingegen nicht zu stören. Dafür schneidet der Text ja auch jede Menge große Themen an, Poesie und Wahnsinn, RAF, DDR-Flucht und Eugenik. Eine Balance am Rand des Genres, wie Staude schreibt.

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