Yoko Tawada

Spielzeug und Sprachmagie in der europäischen Literatur

Eine ethnologische Poetologie
Cover: Spielzeug und Sprachmagie in der europäischen Literatur
konkursbuchverlag, Tübingen 2000
ISBN 9783887691578
Taschenbuch, 240 Seiten, 12,68 EUR

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 14.09.2000

Kurz hintereinander hat die in Hamburg lebende deutsch-japanische Schriftstellerin Yoko Tawada zwei Bücher herausgebracht, einen kuriosen Roman und eine ebenso aus dem Rahmen fallende Dissertation, die Uta-Maria Heim mit Interesse und Wohlwollen betrachtet. Beiden Büchern, so unterschiedlich sie formal auch sein mögen, ist ein unbestimmtes Raunen zu eigen, das die Rezensentin sichtlich irritiert.
1) Yoko Tawada: "Opium für Ovid"
Es geht in diesem Buch um Biografien von heutigen Frauen, so Heim, die in der griechisch-römischen Mythologie lustwandeln. Sie überlassen sich der Wiederentdeckung der Sinne und Sinnlichkeit, als müssten sie zweitausend Jahre verschluckter Geschichte der Weiblichkeit nachholen. Unter anderem auch deshalb liest sich der Episodenroman wie eine "mythologisch verbrämte Antwort auf den Postfeminismus", meint Heim, die Frauen blieben aber in dieser bewusstlosen Gier letztlich unbefriedigt. So sei aus Diana eine der Literatur verfallene Leseratte geworden, die nie wieder frei durch die Wälder streifen wird. Der Text sei "gänzlich ironiefrei" und recht pathetisch, wenn auch stellenweise wunderschön. Heim vermisst die resolute Hand einer Lektorin, die der Opulenz und Vielzahl der Bilder behutsam zu Leibe hätte rücken müssen.
2) Yoko Tawada: "Spielzeug und Sprachmagie in der europäischen Literatur"
Mindestens ebenso seltsam mutet Uta-Maria Heim die Dissertation der Autorin an, die sie so mutig wie unverständlich, aber unterhaltsam und anregend geschrieben findet. Keine schlechte Mischung also. Zunächst einmal: es gibt laut Heim keinen nachvollziehbaren wissenschaftlichen Standort, die Arbeit vermischt Ethnologie, Psychoanalyse, Literaturwissenschaften und beschränkt sich außerdem keineswegs auf Erfahrungen aus unserem Kulturkreis. Vor allem bei der Herleitung der von Tawada benutzten Begrifflichkeiten ("Puppenschrift" beispielsweise) vermisst die Rezensentin klare Worte, in jener "Leerstelle des akademischen Diskurses" vernimmt Heim wieder das für die Autorin so typische Raunen. Doch bringt das Raunen auf dem Papier offenbar interessante, eher essayistisch denn wissenschaftlich verfasste Kapitel zustande, in denen die Leser interessante Dinge über Walter Benjamins Leidenschaft für Puppen erfahren.

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