Mit der scheinbar unaufhaltsamen räumlichen Expansion des NS-Staates in Europa wurde in den USA die Frage immer lauter diskutiert, welche Konsequenzen dieser Prozess für die westliche Hemisphäre haben werde. Dabei richtete sich der Blick besonders auf Lateinamerika. Militärisch allem Anschein nach über die Meerenge zwischen Westafrika und Brasilien leicht verwundbar, intern vermeintlich geschwächt durch die Wühlarbeiten der deutschen "Fünften Kolonne" und zudem anfällig für ökonomische und politische Avancen der Achsenmächte, erschienen die Staaten südlich des Rio Grande vielen US-Amerikanern als Achillesferse des Doppelkontinents.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.11.2005
Der Autor untersuche in seiner Studie eine bisher ungeklärte Frage der Geschichtsschreibung, erläutert Rezensent Klaus Schwabe, inwiefern nämlich die Bedrohung Lateinamerikas durch Nazi-Deutschland eine "ehrliche Überzeugung" des amerikanischen Präsident Franklin D. Roosevelt gewesen sei. Uwe Lübken untersuche die amerikanische Perspektive während des Zweiten Weltkrieges "schlüssig und erschöpfend", befindet Schwabe. Roosevelt habe tatsächlich an eine solche Bedrohung geglaubt, gleichwohl habe er dieses Szenario "instrumentalisiert" und "verfälscht". Zwei Kritikpunkte an Lübkens Studie meldet der Rezensent dennoch an und verweist auf zwei Widersprüche in der Argumentation. Die antinationalsozialistische Propaganda der Amerikaner könne sich nicht gleichzeitig "kontinuierlich" in Kalte-Kriegs-Propaganda verwandelt haben, wenn die amerikanische Regierung nach Kriegsende ihre Propaganda in Lateinamerika abbrach, wie vom Autor behauptet werde. Und zweitens hielten für den Leser zwei sich widersprechende Aussagen die zentrale Frage offen, ob man aus heutiger Sicht denn nun eine "braune Gefahr" für Südamerika annehmen müsse oder nicht.
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