Herausgegeben von Dietfrid Krause-Vilmar. Albert Grzesinskis politische Bedeutung reicht über seine historische Wirkung im Preußen der Weimarer Zeit weit hinaus. Er kann zu den Wegbereitern der Demokratie in Deutschland gerechnet werden. Dietfrid Krause-Vilmar veröffentlicht erstmals Grzesinskis politische Reden: Sie verdeutlichen seine umfassenden gesellschaftlichen und politischen Perspektiven für den Transformationsprozess aus dem wilhelminischen Obrigkeitsstaat in einen modernen demokratischen Verfassungsstaat. Als Polizeipräsident und als preußischer Innenminister befestigte Grzesinski gemeinsam mit Otto Braun und Carl Severing das sozialdemokratisch geführte "Bollwerk Preußen" gegen antidemokratische, insbesondere gegen nationalsozialistische Angriffe in überzeugender verfassungstreuer Staatsautorität auch mit Hilfe des staatlichen Gewaltmonopols. Den demokratischen Rechtsstaat galt es gegen seine Feinde zu verteidigen. Grzesinskis unerschrockenes und unabhängiges Eintreten und sein Kampf für eine demokratische Gesellschaftsordnung haben an Gültigkeit nichts eingebüßt und sind bis in die Gegenwart aktuell und von großer Bedeutung.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 20.06.2022
Mit Bewunderung liest Robert Probst die von Dietfrid Krause-Vilmar herausgegebenen Reden Albert Grzesinskis, den er als einen völlig zu Unrecht vergessenen SPD-Politiker schildert - immerhin war Grzesinski von 1926 bis 1930 preußischer Innenminister. Hier führte er Verwaltungsreformen durch, die zu einem demokratischen Rechtsstaat führen sollten, in Preußen mit einigem Erfolg. Und er kämpfte für Grundwerte und die Weimarer Verfassung, teils auch in "wuchtigen" Reden gegen die Nazis. Probst stimmt Krause-Vilmar zu: Hätte es mehr Politiker vom Schlage des einstigen Metallarbeiters Grzesinski gegeben, hätte die Weimarer Republik mehr Chancen gehabt. Grzesinski hat in der Emigration übrigens eine der ersten Chroniken des Verfalls der Weimarer Republik veröffentlicht, "Im Kampf um die deutsche Republik - Erinnerungen eines Sozialdemokraten", die 2002 wiederveröffentlicht wurde und sicher bis heute heute lesenswert ist.
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