V.S. Naipaul

Magische Saat

Roman
Cover: Magische Saat
Claassen Verlag, Berlin 2005
ISBN 9783546003575
Gebunden, 320 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Sabine Roth. Willie Chandrans Leben gleicht einem langen ruhigen Fluss des Scheiterns. Obwohl sein Weg ihn fast um die ganze Welt führt, findet er nicht zu seinen Wurzeln. Obwohl er seine Suche nicht aufgibt, findet er nicht zu sich selbst. Obwohl er immer wieder aufsteht, gibt es keine Richtung für ihn. "Magische Saat" schildert das inständige Ringen einen Mannes um Identität.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 22.09.2005

Georg Sütterlin ist erschüttert. Als habe V. S. Naipaul endlich einmal all seinen Kritikern signalisieren wollen: "Ihr habt ja Recht mit euren Vorbehalten!", so erscheint ihm der neue Roman "Magische Saat", Fortsetzung von "Ein halbes Leben". Lose herumstehende Handlungsblöcke, die Unfähigkeit, die Hauptfigur Willie Chandran den Anschein wirklichen Lebens zu verleihen, vor allem aber die "Darstellung der Sexualität", immer schon ein kritischer Punkt in Naipauls Werk - hier ist auch in dieser Hinsicht ein Tiefpunkt erreicht, befindet Sütterlin. Ein Karneval von "Ressentiments und Vorurteilen", von "Herablassung und Verächtlichkeit". Inhalt: Chandran lässt sich, um seinem Gefühl von "Unwirklichkeit und Ziellosigkeit" beizukommen, für eine indische Guerilla anwerben. Als er einen Gegner erschießt, kehrt er nach England zurück. Hier versande die Geschichte dann vollends, stellt Sütterlin fest.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 08.09.2005

Martin R. Dean ist beinahe persönlich gekränkt von V. S. Naipauls neuem Roman "Magische Saat". Diese Fortsetzung des 2001 erschienenen Buchs "Ein halbes Leben" fällt weit hinter den Stand von 1987 zurück, erklärt der Rezensent. Seiner Ansicht nach habe Naipaul damals mit "Das Rätsel der Ankunft" seinen womöglich besten Roman vorgelegt. Was ist von der damaligen scharfsichtigen Besinnlichkeit geblieben, fragt Dean. Naipaul blickt mit tiefem Pessimismus auf die Realität, die sich ihm bietet, sei es im Urwald, wo sein Held, Willie Chandran, nach neuen Gründen für seine Existenz sucht, oder in Londons Oberschichtclubs. Überall stößt Willie auf Anlässe zu Abscheu und Verzweiflung, und verzweifelt ist dann auch Dean; ihn schmerzt es, den Abstieg des scharfsichtigen Gesellschaftskritikers Naipaul zum "frauenfeindlich" und ressentimentgeladenen Allround-"Misanthropen" mitansehen zu müssen. Überzeugend findet Dean lediglich die detaillierten Beschreibungen, in denen sich die alten Stärken des Nobelpreisträgers noch einmal zeigen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 01.09.2005

V. S. Naipauls "Magische Saat" hat den Rezensenten Burkhard Müller in den Bann gezogen, auch wenn die Lektüre für ihn streckenweise recht quälend war. Die Hauptfigur Willie, die den Lesern bereits aus einem früheren Roman Naipauls bekannt ist, ist ein "Verräter, Feigling und Schmarotzer", dem man trotz allem seine "Sympathie" nicht versagen kann, gibt Müller zu. Durch die Nörgelei und die Verachtung seiner Schwester getrieben, schließt sich Willie einer indischen Guerillabewegung an, die über Jahre "sinn- und zwecklos durch den Dschungel marschiert", erzählt der Rezensent, der die Schicksale der Anhänger dieser Bewegung, die man nach und nach erfährt, "peinigend" und fast unerträglich zu lesen findet. Für ihn ist der Autor vor allem ein "Schriftsteller des Schmerzes und der Schmach", wobei nicht zuletzt die Frauen den männlichen Protagonisten die "tiefste Schmach" anzutun vermögen, erklärt der Rezensent. Der "Rang" Naipauls Werke sei "innig verwoben" mit dem Misstrauen Frauen gegenüber, gesteht Müller nicht ohne "Unbehagen" ein. "Die magische Saat", da ist sich der Rezensent sicher, ist ein "großes Buch".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 06.07.2005

Peter Münder rätselt, woran es liegt, dass V.S. Naipauls jüngster Roman genauso phlegmatisch, energielos und desinteressiert daherkommt wie sein Held Willie Chandran, der im Vorgängerbuch durch die postkoloniale Weltgeschichte stolpert, ohne Anteil zu nehmen. Ist es die Müdigkeit des Nobelpreisträgers? Oder liegt es an seinem Verdruss über Ideale jeglicher Art. Wie auch immer - Münder ist der Ansicht, Naipauls bissige Parteilosigkeit ist zahnlos geworden und treibt ebenso unentschlossen umher wie sein "indischer Mann ohne Eigenschaften". Dabei kommen heraus: "lauwarme Sentenzen" und belangloses erzählerisches Flanieren.

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