1949 wird der Arzt Julius Brunner der gewerbsmäßigen Abtreibung angeklagt. Er hat es als seine Lebensaufgabe betrachtet, anderen Menschen zu helfen. Auch der jungen Kellnerin, die schwanger wurde von einem Mann, der längst mit einer anderen verlobt war. Mit 74 Jahren muss Julius Brunner monatelang zur Abklärung in die Heilanstalt und rettet sich dort mit imaginären Fahrten in einem Heißluftballon und mit Abenteuergeschichten, die er für seine Enkelin erfindet. Verena Stefan hat einen berührenden und humorvollen Roman über ihren Großvater geschrieben. Gestützt auf ihre Erinnerung sowie Originalzitate der Justiz und Psychiatrie, erzählt sie von seinem ungewöhnlichen Leben und ihrer wunderbaren Zuneigung.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 24.06.2014
Mit ihrem Roman "Die Befragung der Zeit" legt Verena Stefan nach Meinung vpn Martina Läubli ein "Stück Schweizer Rechtsgeschichte" vor. Assoziativ und die Linearität der Zeit wie der Stimmen aufbrechend, erzählt die Autorin die beengende Geschichte ihres Großvaters, dem Landarzt Brunner, der 1949 wegen des Vorwurfs, illegale Abtreibungen vorgenommen zu haben, in die 'Irrenanstalt Waldau' eingeliefert wurde, fasst Läubli zusammen. Konstruiert aus historischen Dokumenten, scharfsinnigen medizinischen Beobachtungen und einer beeindruckenden Stimmenvielfalt, so die Rezensentin, entsteht vor dem Leser eine spannende und zugleich ergreifende Geschichte um Abtreibung, Moral und familiäres Unglück.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.06.2014
Beate Tröger schätzt die Texte dieser Autorin als gelungene Verbindung aus Reflexion und Bekenntnis. Bei dem neuen Roman von Verena Stefan nun erlebt die Rezensentin, wie der autobiografische Kern der Erzählung noch als Ausgangspunkt fungiert, bevor die Geschichte des Großvaters in einer Kunstfigurenwelt aufgeht und Imaginiertes mit Passagen aus der Akte des Großvaters, der als Arzt der gewerbsmäßigen Abtreibung für schuldig befunden und in eine Heilanstalt verbracht wurde, verschmilzt. Die antiquierte Sprache vermittelt der Rezensentin hier das Archaische im Umgang mit Frauen und ihren Bedürfnissen. Darüber hinaus, erklärt Tröger, reflektiert der Text über Zeit an sich. Eine weitere, für die Rezensentin lohnende Perspektive des Buches.
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