Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.03.2004
Mehr eine "fastenzeitliche Bußübung" denn eine intellektuelles Vergnügen sei es, behauptet Michael Pawlik unwirsch, die historische Arbeit von Sabine Putzke zur Abtreibungsdebatte Anfang des 20. Jahrhunderts zu lesen. Eine Fleißarbeit, äußert er anderer Stelle, die ihrem wissenschaftlichen Anspruch, eine Analyse der Abtreibungsdebatten nach Ende des Kaiserreiches vorzulegen, nicht gerecht werde, da sie über den Charakter einer bloßen Materialsammlung kaum hinauskomme. Ohne Rücksicht auf mögliche Wiederholungen (und auf Leser und Rezensenten) würde da ausnahmslos jede Stellungnahme dokumentiert und hölzern zusammengefasst, beschwert sich Pawlik, was er bissig damit kommentiert, formale Gleichheit möge zwar ein Ziel des Rechtsstaats, aber nicht von Wissenschaftsprosa sein. Im übrigen kommt Putzke zu dem Schluss, teilt er mit, dass zwar die Modelle zur Reformierung - totales Verbot, Indikationen- und Fristenlösung - des überaus harten Abtreibungsparagraphen aus dem Kaiserreich denen der Bundesrepublik durchaus ähnelten, aber die Argumente ganz anders lauteten. Überwiegend wurden bevölkerungspolitische Gründe ins Feld geführt, die dann später gut ins nationalsozialistische Gedankengut sich einfügen ließen, wo man per Abtreibungsverbot die deutsche Volksmasse zu erhalten suchte. Die Position, die heute öfter zu vernehmen ist, einem Fötus käme Personenstatus zu, war einigen wenigen Katholiken vorbehalten, stellt Pawlik erstaunt fest.
Norbert Gstrein: Im ersten Licht Zwei Weltkriege, ein Jahrhundert: ein eigenwilliges Leben voller Schönheit, Tragik und Widersprüche. Norbert Gstrein schenkt uns ein ganzes Menschenleben. Dabei ist jedes… Jana Hensel: Es war einmal ein Land In ihrem neuen Buch erzählt die Bestsellerautorin Jana Hensel vom Ende eines großen Traums. Denn das, was vor über 35 Jahren als Aufbruch in eine neue Ära begann, wird nun… Robert Menasse: Die Lebensentscheidung Frustriert von den Mühlen der Bürokratie, trifft Franz Fiala eine "Lebensentscheidung" und wirft seinen Job bei der Europäischen Kommission hin. Als er seine Mutter zum 89.… Elias Hirschl: Schleifen Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In…