Die Frage einer biologischen Rassenzugehörigkeit der Juden galt zu Beginn des 20. Jahrhunderts als brisantes, ungelöstes wissenschaftliches Problem. Wissenschaftler mit jüdischem Familienhintergrund sahen sich vor einem Dilemma, denn sie waren zugleich Subjekt und Objekt der Forschung. Die Studie zeichnet diese wissenschaftliche Debatte nach und beleuchtet dabei insbesondere die Positionen von Wissenschaftlern jüdischer Herkunft. Wie reflektierten diese ihre Identität im Rahmen biologischer Theorien und wie gestaltete sich die Auseinandersetzung mit nichtjüdischen Kollegen? Zudem werden die Versuche einiger dieser Wissenschaftler beschrieben, Institutionen für die Erforschung der 'Biologie der Juden' zu gründen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.04.2009
Dass zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf dem Gebiet der Humanbiologie forschende Juden Realität waren, kann Robert Jütte in diesem Band lernen. 450 zwischen 1900 und 1935 arbeitende Biowissenschaftler jüdischer Herkunft verzeichnet die wissenschaftshistorische Disseration von Veronika Lipphardt. Dass die Autorin von ihnen nur einige wenige (wie Elias Auerbach) auswählt, um sie "für bestimmte Sichtweisen und Identitätsentwürfe als repräsentativ" vorzustellen, scheint Jütte ein wenig zu bedauern. So stellt für ihn der von Lipphardt "nur in einer Fußnote" erwähnte Max Nordau ein Gegenbeispiel dar zum jüdischen Wissenschaftler, der die Mischehe als Heilmittel gegen den Antisemitismus sah.
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