Mit einem Nachwort von Timothy Snyder. Aus dem Russischen von Thomas Weiler. Ein totalitäres Regime im Osten Europas. Der junge Schriftsteller Anatoli lebt relativ unbehelligt - bis die geheimnisvolle Jelisaweta in sein Leben tritt, mit der er eine leidenschaftliche Affäre beginnt. Doch plötzlich ist Jelisaweta spurlos verschwunden und Anatoli wird vom allmächtigen Geheimdienst zum Gespräch gebeten. Einige Verhöre später löst sich die Grenze zwischen vermeintlicher Realität und Geheimdienstprosa auf. Die Paranoia schlägt zu.
Rezensentin Katharina Granzin freut sich, dass mit Viktor Martinowitschs Politthriller "Paranoia" eines der seltenen Bücher aus Weißrussland zu lesen ist, welches darüber hinaus im eigenen Land verboten wurde. Sie liest hier die deutungsreiche Geschichte um einen jungen Literaten, der eine brisante Affäre mit der Geliebten des Ministers für Staatssicherheit beginnt und von da an vom Geheimdienst observiert wird. So folgt die Kritikerin fasziniert den detailreichen Berichten, die auch den Geschlechtsverkehr in allen Einzelheiten protokollieren, liest gespannt wie sich der Konflikt zwischen den beiden Männern zuspitzt bis der psychisch labile Literat nach dem mysteriösen Tod der Frau schließlich des Mordes beschuldigt wird und sich im Gefängnis für Staatssicherheit quälenden Verhören unterziehen muss. Nicht zuletzt bewundert die Rezensentin das Vermögen des Autors, die zwischen Staat und Bürgern wechselseitig herrschende und allgegenwärtige Paranoia auch auf sprachlicher Ebene zu transportieren.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.01.2015
Christian Metz zieht den Hut vor so viel Courage: dass Viktor Martinowitsch einen so brisanten politischen Roman wie sein Debüt "Paranoia" unter eigenem Namen veröffentlicht hat, zeugt von Mut, weiß der Rezensent. Die Anspielungen auf Martinowitschs weißrussische Heimat sind offensichtlich, verrät Metz. Anatoli, ein Schriftsteller, der regimekritische Bücher schreibt, bekommt einen warnenden Anruf und beginnt panisch die Selbstzensur - während der Apparat ihm doch eigentlich wegen einer Liebschaft nachstellt, deren wahre Natur bis zum Schluss ungeklärt bleibt, so der Rezensent, jedenfalls scheint Jelisaweta engere Beziehungen zur Regierung zu haben, als Anatoli lieb sein kann, gibt Metz nur preis.
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