Ausgewählt und übersetzt von Christoph Ferber. Seit der frühen Renaissance ahmen Dichter in ganz Europa die Sonette Francesco Petrarcas (1304-1374) nach und verfolgen damit ein lyrisches Programm, nach dem das liebende und leidende Individuum durch eigene Erfahrungen das allgemein Menschliche in sich erkennen möge. Alfieris "Petrarkismus" allerdings ist ganz ichbezogen und weist in seiner dramatischen Betonung der eigenen Affekte schon beinahe expressionistische Züge auf. Seine Sonette sind von überschwänglicher Leidenschaft und starkem Ausdrucksbedürfnis geprägt; Eros, Freiheitsdrang und Streben nach dichterischem Ruhm sind seine wesentlichen Anliegen, dem Sturm und Drang ist Alfieri näher als der höfischen Kultur des Cinquecento. Der hier vorgelegte zweisprachige Band gibt eine repräsentative Auswahl aus Alfieris Sonetten, darunter finden sich politische, satirische, philosophische, autobiografische, dichtungsbezogene und amouröse - letztere ausnahmslos Luise Gräfin zu Stolberg (1746-1824) gewidmet.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.07.2024
Der italienische Dichter Vittorio Alfieri, der sich irgendwo zwischen Spätaufklärung und Sturm und Drang verorten lässt, harrt in Deutschland nach wie vor einer Entdeckung, weiß Rezensent Niklas Bender, der deswegen umso froher ist, dass sich der Literaturwissenschaftler Christoph Ferber der Aufgabe angenommen hat, eine Auswahl an Sonetten zu kompilieren und ins Deutsche zu übertragen. Neben Liebeslyrik finden sich auch Selbstporträt-Sonette, eine Gattung, die Alfieri möglicherweise erfunden hat, und in der er sich selbst befragt: "Wer bin im Körper ich, wer in der Seele?" und "zwei böse Furien" in sich sieht, berichtet Bender, der den Band gerne zur Entdeckung empfiehlt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 25.04.2024
Rezensent Björn Hayer freut sich, in dieser Auswahl von Gedichten den 1749 geborenen neoklassischen Lyriker Vittorio Alfieri kennenzulernen. Vom Schmerz der Liebe handeln die Sonette, davon, dem Menschen "mitleidvoll in seinem Kummer beistehn" zu können, aber auch von Freiheit und Aufklärung, wie Hayer von dieser gelungenen Mischung angeregt feststellt. Da kann er auch darüber hinwegsehen, dass das Nachwort von Georges Güntert etwas "zu biografielastig" geraten ist, die Neuentdeckung Alfieris lohnt in jedem Falle, resümiert er.
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