Vittorio Hösle

Woody Allen

Versuch über das Komische
Cover: Woody Allen
C.H. Beck Verlag, München 2001
ISBN 9783406472657
Broschiert, 128 Seiten, 14,50 EUR

Klappentext

Mit 13 Abbildungen. New York ist seine Stadt. Von diesem Zentrum der modernen Welt aus wirft Woody Allen seine ganz eigenen Blicke auf die Menschen. Unbeirrt leben und lieben sie gegen alle Widrigkeiten und sind oft dabei noch komisch. Wie kommen das Lachen und der Ernst des Lebens hier zusammen? Vittorio Hösle nimmt den großen Regisseur von seiner philosophischen Seite: Woody Allens Filme erkunden die merkwürdigen Bedingungen menschlicher Existenz, in der ästhetische und moralische Prinzipien das Komische konstituieren und läutern. Allens Filme sind komisch, trotz und gerade weil hinter ihnen ein Moralist steckt. Diesen Zug eines großen Filmemachers verfolgt Hösle durch ein reiches filmisches Werk, das er in die Tradition der bedeutenden Komödiendichter stellt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 22.06.2001

Es wurde Zeit, dass sich ein Philosoph des philosophischsten aller Filmemacher annimmt, meint Thomas Binotto und nennt zunächst mal drei positive Kriterien, die Hösles Essay lesenwert machen. Er versuche nicht witziger als Allen selbst zu sein, lasse die Filmästhetik außen vor und langweile nicht mit Nacherzählungen der Filme. Letzteres könnte nur bedingten Allen-Fans die Lektüre erschweren, vermutet Binotto, da es von Joes, Isaacs, Andrews usw. nur so wimmele. Absoluter Pluspunkt in den Augen des Kritikers ist die behauptete Verwandtschaft Allens mit Charlie Chaplin. Hösle gebe einen Überblick über die Theorien der Komik, mache insbesondere Schopenhauer und Bergson für Allen geltend und nehme ihn infolgedessen nicht nur als Komiker, sondern auch als Philosophen wahr. Leider, so Binotto, kränkelt die "Schärfe des Gedankens" manchmal an einer darstellerischen Schwäche des Essayisten. Dieser sei zwar ein interessanter, aber kein begnadeter Autor.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 22.03.2001

Längst überfällig ist ein Buch dieser Art, meint Harald Martenstein. Denn es gebe zwar genug Biografien über den Filmemacher, aber noch keine Theorie des Komischen bei Woody Allen. Allerdings findet er, dass das Buch "furchteinflößend akademisch" ist und im "allertrockensten Proseminarstil" geschrieben ist. Zudem halte sich der Autor - Philosophieprofessor in den USA - allzu verbissen an das ungeschriebene Gesetz, dass wer über das Komische schreibe, selbst unter keinen Umständen Komisches schreiben dürfe. Sonst allerdings hat der Rezensent an dieser Studie nichts auszusetzen, und so konzentriert er sich im restlichen Teil seiner Kritik darauf, die Thesen Hösles zu referieren. Einig ist er sich mit dem Autor, dass der Einfluss Woody Allens mittlerweile nur noch gering ist, aber er kann sich nicht recht entscheiden, wer sein Nachfolger sein könnte.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 21.03.2001

Als "schönes Beispiel für eine lebendige und fruchtbare Beziehung von Philosophie und großer Filmkunst" lobt Albert von Schirnding den Essay des amerikanischen Philosophie-Professors Vittorio Hösle über Woody Allen. Als sei der Verlust der Poetik des Aristoteles über die Komödie beabsichtigt gewesen, behandele die Philosophie diese immer noch stiefmütterlich, so der Rezensent. Anhand zahlreicher Beispiele des hervorragenden Kenners der 34 Woody-Allen-Filme führe Hösle den Moralisten Allen vor, der besessen von Sexualität und Tod den rettenden Möglichkeiten der Kunst äußerst skeptisch gegenüberstehe. Wie Schirnding schreibt, erklärt der Autor, dass Allen seine Komik aus dem schreienden Missverhältnis zwischen Wunsch und Wirklichkeit bezieht. Die ausführlichen Filmanalysen Hösles bezeichnet der Rezensent als "stringenten Versuch", die Komik wieder in ihr Recht zu setzen.

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