Aus dem Bulgarischen von Thomas Frahm. In "Seelenasche", dem dritten und letzten Band von Vladimir Zarevs großer Trilogie zur Geschichte von Bulgarien, glimmt nach dem Fall der Berliner Mauer und des Eisernen Vorhangs noch einmal kurz die Hoffnung auf Einigkeit, Recht und Freiheit auf. Vor dem Hintergrund brutaler Machtverteilungskämpfe wird jedoch schnell klar, dass sich hier nur das durchsetzt, was der reale Sozialismus angeblich längst besiegt hatte: Habgier und Egoismus. Nun sind es die Frauen der Familie Weltschev, die, jede auf ihre Weise, Größe und Haltung zeigen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 09.03.2013
Rezensent Markus Bauer lobt den nun unter dem Titel "Seelenasche" erschienenen letzten und dritten Teil von Vladimir Zarevs Saga über die Familie Weltschev als "panoramatisch-opulenten" Roman. Der Kritiker taucht noch einmal tief in die bulgarische Geschichte des letzten Jahrhunderts ein und liest voller Bewunderung, wie es Zarev nicht nur gelingt, die Psyche seiner Protagonisten feinsinnig auszuloten, sondern auch die Mentalität der bulgarischen Bevölkerung im (Post-)Kommunismus als "Gesellschaft des Scheins" vorzuführen. Bauer begegnen hier etwa die junge und tragische Theaterstudentin Dessislava, die anhand einer Hamlet-Aufführung das Verhältnis von Wahrheit und Lüge in ihrem eigenen Leben erklären will, ihr Halbbruder, der sich als Moderator von Talkshows mit den medialen Realitätstäuschungen im Privatfernsehen auseinandersetzen muss, oder ihr Cousin Christo, dessen Tätigkeit als Stasispitzel nicht als moralische Schwäche, sondern als "idiosynkratische Gerechtigkeitsillusion" bewertet wird. Nicht zuletzt dank der herausragenden Übersetzung Thomas Frahms lohnt sich die Lektüre dieses nahezu existentialistischen Romans, lobt der eingenommene Rezensent.
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