In der Geschichte des modernen Europa-Bildes kommt dem 18. Jahrhundert eine herausragende Bedeutung zu. Das Zeitalter der Aufklärung ist nicht nur ein sich über den gesamten europäischen Kontinent erstreckendes Phänomen, es entwickelt auch als erste Epoche die Vorstellung von Europa als einer historisch gewachsenen, auf bestimmten geistigen Idealen und gemeinsamen politischen sowie zivilisatorischen Lebensformen beruhenden Einheit verschiedener Völker und Nationen. Am weitaus stärksten hat sich die aufklärerische Reflexion über Europa, seine Identität und Bestimmung in Frankreich als dem Stammland der Aufklärung ausgebildet.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.08.2004
Sehr inspiriert zeigt sich Henning Ritter von Volker Steinkamps Band, auch wenn er das Werk zurückhaltend als "durchaus gelungenen Versuch, die Europa-Gedanken des achtzehnten Jahrhunderts darzustellen", bezeichnet. Zu den Denkern, deren Ansätze vorgestellt werden, gehören Fontenelle, Turgot, Condorcet, Montesquieu, Rousseau, Raynal, Diderot, Rivarol und Constant. Auffällig findet Ritter, dass nur ein einziger von ihnen, der Abbe de Saint-Pierre, eine für ganz Europa gültige politische Zukunftsvision entwickelt hat - sein 1713 verfasstes "Projet pour rendre la paix perpetuelle en Europe" wurde posthum in Auszügen erst 1761 von Jean-Jacques Rousseau veröffentlicht. Zudem hatte Rousseau sich zu diesem Zeitpunkt von den Ideen der Aufklärung bereits verabschiedet, da er in ihnen nur mehr Lug und Trug sah; das Wort "Europäer" empfand er als Schimpf, Kosmopolitismus und "eine Menschengesellschaft als letzter Horizont" hatten für ihn ausgedient. Eine deutliche Absage also an den Europa-Gedanken, wie auch der Abbe Galiani, der 1771 ein Buchkapitel konzipierte mit dem Titel: "Amerika und seine europäischen Kolonien", das zukünftige Europa im Würgegriff eines Beamtendespotismus sah.
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