Herausgegeben von Gisela Engel, Brita Rang, Klaus Reichert und Heide Wunder. Geheimnisse spielen in der Erfahrung, in alltäglichen Lebenszusammenhängen (z. B. Beichtgeheimnis, militärische Geheimnissse, Geheimdienste, Herzensgeheimnissse, Briefgeheimnis usw.) eine wichtige Rolle. Die Fortdauer der Geheimnisse widerspricht der Annahme, die Aufklärung habe das Geheimnis aus dem gesellschaftlichen Leben verbannt. Sie steht im Gegensatz zu den Bemühungen der Aufklärer, dem Geheimnis/den Geheimnissen ein Ende zu bereiten. Sie wollten das Geheimnis und das Geheime, das Verborgene und Verhüllte in den Bereich des Wissens holen. Eine von nachaufklärerischen Denktraditionen geprägte Untersuchung der Gesellschaft und Kultur der Frühen Neuzeit wird insbesondere den Wandel der Begrifflichkeiten und den zugrundeliegenden Unterschied politischer, sozialer und kultureller Praktiken deutlich ins Bewußtsein heben müssen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 16.08.2002
Ein Band voller Geheimnisse, urteilt Franziska Meier sarkastisch: worum es den über dreißig Autoren aus den Kunst-, Literatur-, Geschichts- und Politikwissenschaften des voluminösen Bandes eigentlich geht, bleibt für sie ebenso ein Geheimnis wie die Frage, was die "disparate Sammlung" von Aufsätzen letztlich zusammenhält. Schlicht und einfach schleierhaft ist der Rezensentin, warum es fünfhundert Seiten braucht, um aufzuweisen, "dass es von jeher Geheimnisse in Kunst und Politik gab, und dass sie in jeder Zeit unterschiedlich eingesetzt und verstanden wurden". Zwar bietet der Band nach Meiers Ansicht teilweise durchaus interessantes historisches Material und manche kluge Beobachtung. Da aber weder klare Kriterien, noch eine klare Fragestellung formuliert würden, bleibe alles vage. Neben dem Vagen findet Meier "viel Unergiebiges", z.B. zu den "Effekten des Geheimnisvollen" in Vermeers Briefleserinnen oder zu den Arbeiten zu Körper und Sexualität, in denen alte Thesen der Frauenforschung wieder einmal aufgewärmt werden. Insgesamt kann sich Meier nicht des Verdachts erwehren, dass hier ein Fall von Etikettenschwindel vorliegt.
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