An die 15000 Menschen hat der 1907 Arzt Georg Renno von 1940 bis 1944 in den Tod geschickt. Kinder, Kranke, Behinderte zogen an ihm vorüber, er führte Listen und ließ jeweils sechzig bis achtzig von ihnen in eine vier mal sechs Meter große Kammer pferchen, ehe der Gashahn aufgedreht wurde. Der Autor Walter Kohl traf 1997, kurz vor dessen Tod, auf diesen Mann, der für das, was er getan hatte, niemals zur Rechenschaft gezogen worden war und seine Taten als Erlösung für die Opfer zu rechtfertigen versuchte. Aus den Gesprächen, Recherchen und persönlichen Eindrücken entwickelt Kohl ein Psychogramm eines Täters.
Ernst Klee will die guten Absichten des Autors gar nicht leugnen. Dennoch habe er summa summarum mit diesem Band gehörig Schiffbruch erlitten. Klar, dass Renno keine Reue zeigt und bis zu seinem Tode noch laufend von "Idioten" redet, wenn er die von ihm ermordeten Behinderten meint. Da die Äußerungen Rennos nicht besonders ergiebig gewesen sind, habe Kohl Sekundärliteratur hinzugezogen, allerdings ohne je eine einzige Quelle anzugeben. Außerdem bemängelt Klee bisweilen Kohls Wortwahl, etwa da, wo er vom "Lust-Schloss Hartheim" die Rede ist (dort haben die Vergasungen stattgefunden), und dass Kohl sich unergiebigen Spekulationen hingibt, beispielsweise darüber, mit wem Renno "intim" war. Kohl habe sich mit diesem Band "zum Medium für Rennos Lügen" gemacht, findet Klee.
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