Das Bild, das wir uns von der Welt machen, ist mitgeprägt durch wissenschaftliche Erkenntnisse, die immer auch zeitbedingt sind. Das war vor 400 Jahren nicht anders, als der Mathematiker und Astronom Johannes Kepler ein Bild der Welt entwarf, das die damals neuesten astronomischen Hypothesen Nikolaus Kopernikus sowie Tycho Brahes Beobachtungen des Himmels mit Spekulationen über eine allem zugrundeliegende Harmonik der Welt verband. Als bleibender Beitrag zur Astronomie wird heute vor allem Keplers Entdeckung der Ellipsengestalt der Planetenbahnen gesehen. Diese Sichtweise beruht jedoch auf der wissenschaftlichen Entwicklung der nachfolgenden Jahrhunderte, die einen ganz anderen Verlauf nahm, als Kepler es sich vorgestellt hatte. Diederich versucht in seinem auch für Nicht-Mathematiker verständlich geschriebenen Buch Keplers Werk aus seiner Zeit und von seinem Selbstverständnis her zu begreifen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.07.2014
Statt Klangschalen empfiehlt Helmut Mayer das Buch des Wissenschaftsphilosophen Werner Diederich. Laut Mayer lässt sich mit dem kleinen Band lernen, wie Johannes Kepler in seiner Person und Arbeit alte Tradition und Moderne vereinte, und darüber hinaus, wie der Astronom und Mathematiker versuchte, der Welt harmonische Ordnung zu ergründen. Wie der Autor knapp, ohne akademische Schnörkel auch Keplers Begeisterung über die vermeintliche Weltharmonik nachvollziehbar macht, hat Mayer beeindruckt. Zum Weiterlesen angeregt wird der Rezensent durch im Band enthaltene Literaturliste.
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