Die Schlange hat keinen guten Ruf. Ihre Klugheit ist mit List gepaart, ihre Gewandtheit mit Heimtücke. So wurde sie in der Kulturgeschichte mal zur Bedrohung, mal zur Beschützerin. In der Kunst tauchte die Schlangenlinie bereits in den Höhlenmalereien der Steinzeit auf und blieb seitdem ein Motiv voller Ambivalenzen, das sich nie zur Ruhe bringen ließ. In seinem letzten Buch verfolgt der große Hamburger Kunsthistoriker Werner Hofmann die Schönheitslinie der Schlange durch die Epochen und legt ihre elementaren, rätselhaften Energien frei. Hofmann zeigt, wie die Schlangenlinie anfänglich der magischen Beschwörung diente und danach von der griechischen Antike bis in die Frühe Neuzeit die Künstler immer wieder anzog.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.12.2014
Eduard Beaucamp freut sich Schlangenlinien. Was der Kunsthistoriker Werner Hofmann hier noch am Ende seines reichen Schaffens an originellen Gedanken hervorbringt, findet er schier unglaublich. Das aus dem Nachlass publizierter Buch ist für den Rezensenten ein Ritt durch die Jahrtausende, Stile und Schulen. Das Thema der Linienschönheit, wie Hofmann es fasst, unsystematisch, intellektuelles Vergnügen bereitend, zwischen Altsteinzeit und Moderne elegant hin- und herwandernd, bei Gaudi, Kandinsky und Breton verweilend, erschließt dem Rezensenten tatsächlich die schöne Mehrsinnigkeit und Vieldeutigkeit der Linie, besonders der Schlangenlinie.
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