Menschenbilder, allen voran das viel beschworene christliche, erleben in den Kulturkämpfen der Gegenwart eine bemerkenswerte Konjunktur. Verfassungsrechtler und Politiker, Philosophen und Theologen werben mit ihnen. Meist sind die Menschenbilder mit Gottesbildern verknüpft. Und nicht alle Götter sind gleich. Harte, Unterwerfung fordernde Kampfgötter stehen weichen Kuschelgöttern gegenüber. Friedrich Wilhelm Graf fragt in einem weiten historischen Horizont nach den Hintergründen des Streits um Götter- und Menschenbilder, der zugleich ein Streit um das Bilderverbot ist. Dabei kommen die zivilisierenden Wirkungen von Religion ebenso in den Blick wie ihre barbarischen, zerstörerischen Seiten.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 26.05.2009
Recht intensiv setzt sich Dirk Lüddecke mit Friedrich Wilhelm Grafs Buch über Götter- und Menschenbilder auseinander. In seinem aus drei Vorträgen über den Humanismus hervorgegangen Buch geht es Graf insbesondere um den "unbedachten Sprachgebrauch" des Begriffs "Menschenbild", und so findet er zahlreiche Beispiele seiner ideologischen Verwendung, die allerdings, je näher sie der Gegenwart rückten, desto weniger beeindruckten, so Lüddecke. Überhaupt scheint ihm, der Autor fasst das Wort "Menschenbild" allzu buchstäblich auf und sieht deshalb nicht, was eigentlich mit dieser Metapher gemeint ist. Weiter kritisiert der Rezensent Grafs Diagnose von "Sattelzeiten" - einem Begriff des Historikers Reinhard Koselleck - die, wie Lüddecke mitteilt, eigentlich nur im Nachhinein zu bestimmen sind, von Graf jedoch unter anderem auf die Gegenwart seit den 80er Jahren angewendet werden. Hier meint der Rezensent den Tatbestand der "Bedeutsamkeitserschleichung" feststellen zu können, was er vom "skrupulösen und ideologiekritischen" Graf eigentlich nicht gedacht hätte. Und trotzdem hebt der Rezensent positiv hervor, dass das Buch eine angebrachte "Skepsis" gegenüber undurchdachten Verwendungen von "Menschenbildern" weckt, und er betont, dass Grafs "bildtheoretische Deutungen" seine "ungeteilte Zustimmung" erhalten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 30.03.2009
Für Rudolf Walther ist das Buch des Theologen Friedrich Wilhelm Graf ein intellektueller Hochgenuss. Grafs einleitender "fulminanter" Traktat über intellektuelle Bescheidenheit und methodische Klarheit stimmt den Rezensenten auf eine Analyse der fortschreitenden "Theodiversität" ein, bei der Graf "selbstkritische Skepsis" beweist. Wo von "Fussballgöttern", der Gottesebenbildlichkeit von Stammzellen oder auch von "Menschenbildern" die Rede ist, deckt der Autor, für den Rezensenten plausibel, theologische wie politische Instrumentalisierungen auf und die dahinter sich verbergende "Partikularität und Perspektivität des eigenen Ethos" und erinnert daran, dass (Menschen-)Würde ein absoluter Begriff ist und weder eine Erfindung des Christentums noch der vegetarischen oder der Heimtierlobby. So lässt sich Walther von Graf 2000 Jahre Geistesgeschichte vorführen und staunt und freut sich über die Scharfsinnigkeit, mit der hier Argumente analysiert und Konsequenzen formuliert werden.
Elias Hirschl: Schleifen Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In… Julian Barnes: Abschied(e) Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte… Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter… Leila Slimani: Trag das Feuer weiter Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…