Kaum ein Schlagwort der NS-Ideologie hat solche Breitenwirkung gehabt wie die stereotype Rede vom "Volk ohne Raum". Umso erstaunlicher ist es, daß dieses metaphorische Konzept bisher in seiner epistemologischen Einbettung noch nicht systematisch erforscht wurde. Genau dies leistet die Studie von Werner Köster. Sie zeigt nicht nur, daß die Rede vom "Raum" in den verschiedensten Spezial-Diskursen (Anthropogeographie, Soziologie, Geographie, Geopolitik) anzutreffen ist, sondern macht auch deutlich, wie diese verschiedenen Diskurse über das metaphorische Konzept "Raum" miteinander kurzgeschlossen und verzahnt werden konnten, einschließlich der Literatur und Philosophie, die in Fallstudien zu Ernst Jünger und Carl Schmitt thematisiert werden.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 03.08.2002
In seiner Monographie "Die Rede über den 'Raum'" untersucht der Medienwissenschafter Werner Köster Bedeutung und Funktion des "Raum"-Konzepts in geographischen, soziologischen, ökonomischen, staatsrechtlichen und literarischen Diskursen, weiß der mit "uha" zeichnende Rezensent. "Methodisch reflektiert", lobt der Rezensent, analysiert Köster sowohl die poetischen und rhetorischen Effekte des "Raumes" als auch die wissenschaftsgeschichtlichen Voraussetzungen dieser Ideologie, die er in einen Zusammenhang mit der "Realgeschichte" des deutschen Imperialismus des 19. Jahrhunderts bringt. Kösters Studie sieht der Rezensent in erklärtem Gegensatz zur traditionellen Ideengeschichte, zur Begriffsgeschichte und zu einer simplen Ideologiekritik zwischen marxistischen und poststrukturalistischen Positionen angesiedelt. Kein Wunder, dass es da von Fachterminologie nur so wimmelt!
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