Übersetzt ins Italienische von Anna Santini und ins Slowenische von Zdenka Hafner-Celan. Ein geheimnisvoller Fluch scheint über der Königin der Nacht zu liegen. In eigenartiger Weise vollstreckt sich der vom Nationalsozialismus propagierte "Sieg über das Chtonisch-Weibliche" an den Darstellerinnen: Nach Vorstellungen der Zauberflöte in Breslau, Salzburg, Aachen, Regensburg und Graz werden die Sängerinnen unter fadenscheinigen Anschuldigungen von der Bühne weg verhaftet. Kunstvoll verschränkt Werner Kofler die rekonstruierten Leidenswege der Sängerinnen mit Motiven aus der Oper und dem NS-Wahn von der Reinheit des Blutes. Am Anfang und am Ende des Textes steht das Konzentrationslager beiderseits des Loiblpasses, an der Grenze zwischen Kärnten und Slowenien. Die dreisprachige Ausgabe ist mit Faksimiles und einem Nachwort von Klaus Amann versehen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 26.09.2001
So einen wie Kofler nenne man ratlos einen "Außenseiter der österreichischen Gegenwartsliteratur", der zwar ein prominentes aber nur herzlich kleines Lesepublikum findet, schreibt Bruno Steiger. Dem Mann und seiner Leserschaft kann geholfen werden! 1) Werner Kofler: "Texte und Materialien" Steiger empfiehlt den von Klaus Amann betreuten Materialienband, für den der Herausgeber selbst einen einführenden Aufsatz in Stil und Motivik von Kofler verfasst hat. Zitat und Montage gehören zu den Grundtechniken, die in allen Variationen durchgespielt werden; thematisch lässt sich, schreibt Steiger, der Autor über "Verkehr, Gewinnsucht und Unverstand" der Welt, sprich, so ziemlich alles aus. Auch die anderen Beiträge des Bandes, die sich mit einzelnen Werken und Phasen Koflers beschäftigen, werden als "kenntnisreich" weiterempfohlen. 2) ders: "Mutmaßungen über die Königin der Nacht" Wer sich die geschickte Montagetechnik Koflers genauer anschauen möchte, den verweist Steiger auf die neu erschienene Erzählung "Mutmaßungen über die Königin der Nacht", die Motive aus der "Zauberflöte" mit einer fiktiven Aufführungsgeschichte der Oper im 3. Reich verbindet.
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