Deutsche Erstausgabe. Aus dem Niederländischen von Gerd Busse. Frans Laarmans hat den grauen Büroalltag gründlich satt. Da tut sich ihm unverhofft die Chance zu einer glanzvollen Karriere auf: Ch. A. F. D. Boorman, Herausgeber der "Allgemeinen Weltzeitschrift für Finanzen, Handel, Gewerbe, Kunst und Wissenschaft" sowie Generaldirektor des "Museums für einheimische und ausländische Erzeugnisse", bietet ihm eine Stelle als Sekretär und späterer Nachfolger an. Laarmans schlägt ein - und merkt zu spät, wem er seine Seele verkauft hat. Nun wird er in die hohe Kunst des "Leimens" eingeführt: Boorman ist nämlich mitnichten Herausgeber einer seriösen Zeitschrift, sondern ein gerissener Betrüger, der genau weiß, wie man die Maschinerie der Marktwirtschaft für sich arbeiten lässt. Laarmans imponiert der hemdsärmelige Boorman, und doch kann er sein Mitgefühl für die Betrogenen nicht ganz verleugnen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 20.08.2005
Der im Original 1933 erschienene, bei uns im letzten Jahr veröffentlichte Roman "Käse" des hierzulande zuvor kaum bekannten flämischen Autors Willem Elsschot war ein Überraschungserfolg. Weniger überraschend ist es, dass der Unionsverlag nun nachlegt, und zwar das ähnlich funktionierende Werk "Leimen", das schon 1924 erschien, aber den selben Helden hat wie "Käse". Ums vom Titel versprochene Leimen geht es dabei sehr wohl, nämlich das Leimen von Unternehmern mit einem Werbeblättchen, das teuer ist, aber ohne jede Wirkung bleibt. Elsschot schreibt hier durchaus aus eigener Erfahrung (als Leimer, nicht als Geleimter), deshalb macht das, bis in Details hinein, schon Spaß, meint der Rezensent Wolfgang Schneider. Aber auch wieder nicht bis in jedes der allzuvielen Details hinein. Zudem komme der Plot insgesamt arg kurz, das habe Elsschot bei seinem "Käse"-Roman deutlich besser gelöst.
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