Aus dem Englischen und mit Anmerkungen von Wolfram Benda. Mit einem Nachwort von Norbert Miller. William Beckford stammte aus einer der reichsten und angesehensten Familien Englands. Lord Byron bezeichnete ihn in einem Vers als "England's wealthiest son". Zum Gentleman seiner Zeit gehörte die Grand Tour, die obligatorische Bildungs und Lustreise, die er im Juni 1780 als Zwanzigjähriger nach umfassender musikalischer und literarischer Ausbildung antrat: zweitausend Kilometer in sechs Wochen, vom heimatlichen Wiltshire im Südwesten Englands über Flandern, die Vereinigten Provinzen nach Deutschland, Österreich und zum eigentlichen Ziel: Italien. Während seiner Reise hielt der junge Beckford stichwortartig seine Eindrücke fest, die er zur späteren Niederschrift nutzte. Träume, Gedankenspiele und Begebenheiten verfasste er in der Form von stilisierten Briefen an einen fiktiven Adressaten in England, einen Maler, dem vermutlich sein weitgereister Zeichenlehrer und Förderer Alexander Cozens Vorbild stand. Im Mai 1782 brach Beckford zu einer zweiten Italienreise auf. Zur Equipage auf der gleichen Route wie zwei Jahre zuvor gehörte auch Cozens' Sohn Robert, der malerische Landschaften festhielt - von denen wir eine Auswahl abbilden. Als das Buch, mit Kupfern und Zeichnungen reich ausgestattet, in 500 Exemplaren gedruckt und annonciert war, gab William Beckford dem Drängen seiner Familie nach, die wegen homoerotischer Anspielungen um seinen und ihren Ruf fürchtete, und verbrannte fast die ganze Auflage - fünf Exemplare existieren heute noch.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.02.2023
Rezensentin Lerke von Saalfeld freut sich über die unkonventionellen Reisebriefe des englischen Millionerbes William Beckford in der "fabelhaften" Übersetzung von Wolfram Benda. Der Leser solle nur keinen Cicerone erwarten, wenn Beckford nach Holland, Augsburg und Venedig reist, dann steht dem Vergnügen nichts im Weg, meint Saalfeld. Der Autor bietet laut Saalfeld statt Gelehrsamkeit à la Goethe jede Menge Neugier und eine sehr eigenwillige, durchaus auch mal unduldsame, dann wieder verträumte Sicht auf Gärten, Galerien, Landschaften und Menschen. Ein bisweilen bizarres Vergnügen, findet Saalfeld.
Rezensent Oliver Jungen erkennt das Unzeitgemäße des englischen Italien-Reisenden William Beckford. Wie der Autor in seinen Reiseberichten, die mal Erlebtes berichten, mal Erträumtes, über Popen und Künstler lästert, scheint ihm näher an der Gegenwart zu sein als an Beckfords eigener Epoche des späten 18. Jahrhunderts. Was der Zeitgenosse Byrons auf seiner Reise nach Venedig, Lucca, Rom etc. erlebt und wie er es deutet, so witzig wie atmosphärisch, schürt bei Jungen augenblicklich die Reiselust. Wolfram Bendas gelungene Übersetzung trägt auch dazu bei, erklärt er.
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