Hollis Henry bekommt einen neuen Auftrag. Gemeinsam mit einem Junkie soll sie ein Underground-Label ausspionieren. Es geht um vielmehr als einzigartig geschnittene Hosen im Militarylook: Für eine Ausschreibung der amerikanischen Armee soll ein Konkurrent ausgeschaltet werden. Am besten ist es, niemandem zu trauen, vor allem nicht seinem eigenen Auftraggeber. Es gibt wohl kaum einen Autor in unserer globalisierten Welt, der Verschwörungstheorien so spannend erzählt wie William Gibson. Mit "Systemneustart" setzt er einen furiosen Schlusspunkt unter die beiden Vorgängerromane "Mustererkennung" und "Quellcode".
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 11.07.2011
Florian Kessler zeigt sich beeindruckt von der Lässigkeit, mit der William Gibson, Ideengeber des Cyberspace, in seinem neuen Roman auf die globale Datengesellschaft antwortet. Die durchaus krude Handlung - der Medien-Hai Hubertus Bigend schickt zwei Trendsetter, den Ex-Junkie Milgrim und die Rocksängerin Hollis Henry, auf die Suche nach einer Undergrounddesignerin, um mit deren Military-Mode bei der realen US-Armee einen Auftrag zu ergattern - scheint ihm dabei wie in allen Roman von Gibson eher nebensächlich. Im Grunde sieht er im "Wimmelbild", das dieser Roman ist, eine intelligente, witzige und lässige Diagnose der Gegenwart, des Alltags zu Beginn des 21. Jahrhunderts, die sich für ihn liest wie "leibhaftig eingetretene Sciencefiction".
Einen furiosen Abschluss der Blue-Ant-Trilogie erblickt Ulrich Gutmair in William Gibsons Roman "Systemneustart". Um feinsinnige Plots und glaubhafte Psychologie hat sich der Autor seines Wissens nie besonders geschert. Er schätzt Gibson vielmehr als Autor "avancierter Cyberpunkromane", als Nerd mit Trendscoutqualitäten, der die Warenwelt genauestens kennt und beobachtet. Im Zentrum der etwas wirren Story von "Systemneustart" sieht er den Chef der progressiven Agentur Blue Ant auf der Suche nach einem Underground-Designer, den er für einen Uniform-Auftrag der Army benötigt. Das liest sich offensichtlich höchst anregend. Gutmair jedenfalls hat das Werk sehr inspiriert, eigene Überlegungen über die um sich greifende "Ausrüstungsgeilheit", über Design, Konsumentenbewusstseins und Warenfetischismus anzustellen.
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