Das leidenschaftliche Engagement der Gewerkschaften und sozialistischen Parteien sowie der pazifistischen Organisationen für die europäische Einigung und ein soziales und demokratisches Europa in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts ist völlig in Vergessenheit geraten. Einerlei, worum es geht, um die Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen auf dem europäischen Kontinent, um die Schaffung von Arbeitsplätzen, um eine europäische Industriepolitik oder den Bau eines sozialen Europas, um eine Europäische Verfassung oder um Wirtschafts- und Währungspolitik so gut wie alle Fragen, die die Europäische Union heute beschäftigen, wurden schon in den 1920er Jahren lebhaft in der Arbeiteröffentlichkeit diskutiert. Die damaligen Konzepte waren oft weitgehender, umfassender und auch moderner als alles, was in der europäischen Politik heute diskutiert wird.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.12.2014
Willy Buschak, der früher leitender Funktionär des Europäischen Gewerkschaftsbundes war, hat in seinem Buch "Die Vereinigten Staaten von Europa sind unser Ziel" zu zeigen versucht, dass die Europäische Union schon lange ein sozialdemokratischer Wunsch war, also mitnichten ein bloßes Elitenprojekt, berichtet Wilfried Loth. Buschaks Sammlung von Arbeiterstimmen für Europa ist nicht einmal erschöpfend, weiß der Rezensent, und doch wird deutlich, wie viele, und vor allem: wie viele unterschiedliche Sozialdemokraten ein "europäisches Kulturbewusstsein" hatten und sich für einen Zusammenschluss aussprachen, der zukünftige Kriege vermeiden sollte, fasst Loth zusammen.
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