Der Boom der Schönheitschirurgie, die Nutzung von Medikamenten zur Verbesserung der Stimmung oder Gedächtnisleistung sowie die "Anti-Aging"-Bewegung - alles Anzeichen dafür, dass die Medizin sich künftig nicht mehr allein mit der Heilung kranker Menschen, sondern zunehmend mit der "Optimierung" der körperlichen und geistigen Fähigkeiten Gesunder beschäftigen wird. Die Beiträge in diesem interdisziplinär besetzten Band gehen systematisch der Frage nach, wie neuartig diese Entwicklungen im historischen Vergleich sind und erörtern kritisch die möglichen sozialen Folgen einer solchen "Entgrenzung" des medizinischen Wirkungsbereichs.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.07.2011
Michael Imhof lobt diesen von Willy Viehöver und Peter Wehling herausgegebenen Sammelband "Entgrenzung der Medizin", der die Ausweitung der Medizin auf die Gesunden betrachtet. Die Beiträge des Bandes beleuchten diese Entwicklung und ihre Folgen seines Erachtens kritisch und überaus kenntnisreich. Ein Schwerpunkt scheint ihm die Auseinandersetzung mit der Pathologisierung von Umbruchphasen wie Pubertät, Klimakterium, Alter, Schwangerschaft und der zunehmenden Medikalisierung der Gesellschaft. Des Weiteren nennt er den Wandel traditioneller medizinischer Ansätze durch die Entwicklungen in der Anti-Aging-Medizin sowie die ethischen Probleme, die sich aus der prädikativen Diagnostik ergeben, als Schwerpunktthemen. Insgesamt bietet der Band nach Ansicht des Rezensenten einen exzellenten Überblick über die Thematik, "der als Grundlage für einen breiten gesellschaftlichen Diskurs dienen könnte".
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