Aus dem Russischen von Annelore Nitschke. In Sommernächten, wenn Vollmond herrscht, wandert der alt gewordene Pjotr Petrowitsch durch seine Datschensiedlung und beglückt die jungen Frauen der Nachbarschaft. Er dringt über die Veranda ins Schlafzimmer ein, setzt sich auf die Bettkante, betrachtet eine Weile verzückt die Schönheit der Schlafenden und versucht anschließend, ans Ziel seiner Träume zu gelangen. Was ihm erstaunlicherweise manchmal tatsächlich gelingt.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 18.12.2008
Mit einer überraschenden Schlusspointe wartet Wladimir Makanins neuer Roman auf, berichtet Jörg Plath. Und die könne für einige Längen des Romans entschädigen, der anhand einer Datschensiedlung wie durch ein Brennglas ein Bild der russischen Gesellschaft entwerfe. Zugleich trägt die Handlung Züge eines Schelmenromans: Ein Rentner mit dem Allerweltsnamen Pjotr Petrowitsch steigt nachts jungen Frauen nach. Dieser moderne Satyr zeigt, entgegen einem klassische Topos, keinen "Schreck beim Anblick der Nymphe". Die Plath zufolge etwas "ermüdende" Serialität seiner Abenteuer wird erst unterbrochen, als eine seiner Eroberungen ihn auf der Suche nach ihren Dealern in das von Jelzins Truppen belagerte Weiße Haus einschleust. Und hier wird die karnevalistische Burleske zu einer Analyse gegenwärtiger Traumata der russischen Gesellschaft: Der vermisste Schrecken stellt sich angesichts der auf den geilen nackten Alten zielenden Panzerrohre ein, und der Satyr ahnt, dass die neue russische Gesellschaft im Zeichen der Gewalt stehen wird. Jörg Plath lobt ausdrücklich die Übersetzung durch Annelore Nitschke, die auch unterschiedlichen Stillagen gerecht werde.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.11.2008
Ein mondsüchtiger Sonderling auf der Suche nach einer Frau: Was mit einer alten, einsamen Seele zwischen mythologisch grundierter und echter Unzurechnungsfähigkeit als Burleske beginnt, entwickelt sich laut Lena Bopp zu einer Sinn- und Orientierungssuche in einem Land im Umbruch. Dieses Land scheint durchaus real. Bopp identifiziert es als das Russland der frühen 90er - keine ganz gute Zeit. Doch vom Autor inszeniert als "fantastisches Sittengemälde" und "erotischer Rausch" inklusive eines Anti-Helden, der Geschichte schreibt. So weit, so gut. Der Hund des Romans liegt für Bopp dort begraben, wo der Held wie das Alter Ego des 71-jährigen Autors wirkt. Alte Männer mit erotischen Fantasien - da fühlt sich Bopp an Martin Walser erinnert. Keine beglückende Reminiszenz, scheint's.
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