Lenin bezeichnete ihn als "Liebling der Partei", Stalin ließ ihn 16 Jahre später als "faschistischen Söldner" hinrichten: Kaum ein Schicksal eines russischen Revolutionärs nahm einen so wendungsreichen Verlauf wie das Nikolai Bucharins. Als Linksaußen und Rechtsabweichler kritisiert, zwischen Expansionskommunismus und »Sozialismus in einem Land« schwankend, war er die vielleicht schillerndste Persönlichkeit der frühen Sowjetunion. Dass er sich bei allen Kurswechseln bemühte, an der Seite des von ihm gegen Trotzki unterstützten Stalin zu verharren und dann trotz öffentlicher Selbstkritik schließlich doch im Terror des Diktators umkam, macht die Tragik dieses geheimnisvollen Revolutionärs aus. In seiner fesselnden politischen Biografie zeichnet Wladislaw Hedeler das verhängnisvolle Leben des Massenagitators und Schmetterlingssammlers Bucharin nach, der noch im Gefängnis kurz vor seinem Tod in einem bewegenden Abschiedbrief an Stalin seine Aufrichtigkeit und Freundschaft beschwor.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 17.06.2015
Ob Nikolai Bucharin nun wirklich Stalins Opponent war, mag Ulrich M. Schmid auch nach der Lektüre von Wladislaw Hedelers Biografie über den marxistischen Politiker und Theoretiker nicht entscheiden. Eine solche Frage, meint er, führt ins Zentrum der Kreml-Macht. Warum Bucharin scheitern musste, diese und andere Fragen die Lichtgestalt unter den Sowjetführern betreffend, lässt er sich vom Kommunismusforscher Hedeler auseinandersetzen. Breit angelegt, basierend auf lanjährigen Studien, doch im Kammerton des Untertitels vorgetragen, wie Schmid erklärt, scheint dem Rezensenten die Biografie gut zu gefallen.
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