"Die Wahrheit", sagt Wolf Schneider, "ist oft verletzend und meistens unbequem. Wir haben recht, sie nicht zu mögen. Es ist die Lüge, die uns wärmt."
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 13.10.2012
Überhaupt nicht überzeugt ist Oliver Müller von Wolf Schneiders neuem Buch "Die Wahrheit über die Lüge". Zwar attestiert er dem nach bewährten Strickmuster verfassten Werk über den angeblich tieferen Sinn des Lügens "den angenehmen Reiz des Vertrauten". Aber vor allem mit Schneiders These, dass die Lüge unser Zusammenleben erträglicher mache und daher zu schätzen sei, kann er sich nicht anfreunden. Dabei geht es ihm gar nicht um die "absolute Wahrheit", sondern einfach nur um ein wenig Wahrhaftigkeit und Redlichkeit. Zudem hält er dem Autor entgegen, dass wir, um die Lüge zu identifizieren, zumindest eine Ahnung von der Wahrheit haben müssten. Mit dem zynischen Programm, das er bei Schneider findet, werden in seinen Augen letztlich nur Opportunismen, Machtstrukturen und Ungerechtigkeiten gestärkt.
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