Landschaften, Gesteinsformationen, die Vielfalt der Mineralien - Goethe war ein akribischer und leidenschaftlicher Beobachter der Erde. Das vorliegende Werk illustriert, wie Goethes Naturbeobachtungen und -forschungen ihren Ausdruck in seinen Werken und in den philosophischen Betrachtungen fanden. Wolf von Engelhardt ist der führende Forscher auf dem Gebiet der Naturphilosophie Goethes.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 23.10.2004
Eine "Goethe-Biografie am Leitfaden der Steine" nennt der "kom." zeichnende Rezensent dieses Buch, das Wolf von Engelhardt, ein Experte für das geologische und mineralogische Werk des begeisterten Steinsammlers Goethe, nun vorgelegt hat. Der Tübinger Geologe folgt den Stationen von Goethes Leben, so der Rezensent, wobei er sich auf dessen autobiografische und naturwissenschaftliche Texte über "Landschaft, Gesteine, Mineralien und Erdgeschichte" konzentriere. Das Resultat findet der Rezensent "verblüffend": So erschließe Engelhardt "ganze Bildfelder der Dichtung", wenn er etwa die zahlreichen Bergbesteigungen Goethes Revue passieren lasse und dabei die jeweiligen "Felsenspekulationen" des kletternden Autors erläutere. Das Resümee des Rezensenten: ein "ungewöhnliches Buch", mit dem man Goethe-Texten "überraschende neue Aspekte" abgewinnen könne.
Wolf von Engelhardts Buch ist darum "das geglückteste aller Bücher über Goethe", weil es uns in seinem " lakonisch selbstlosen Geltenlassen dessen, worum es geht" zeigt, "dass dies die schönste Art ist, klüger zu werden an Leuten, die vor uns schon klüger waren, als wir es uns so vorstellen." Rolf Vollmanns ausgeklügeltes Lob hat dabei die "großzügig generalisierenden Satzfolgen" der meisten Goethe-Biografen im Blick, auf die Engelhardt zur Erleichterung unseres Rezensenten verzichtet. Denn Engelhard muss nicht "über die deutsche zeitgenössische Philosophie oder die allgemeine Stimmung der Zeit reden", freut sich unser Rezensent. Es geht ja um Steine und Landschaften. Und darum, wie Goethes Blick auf die Geologie sich in seinem literarischen Werk wiederfindet. "Besonders schön" findet es Vollmann, wenn er in der "überwältigenden Fülle" von Zitaten, Abbildungen und Notizen eingestreute Gedichte entdeckt. Da ist ihm, "als entdecke man nun Goethe also noch einmal von vorn". Staunen muss unser Rezensent auch über die "Glanzpunkte in diesem Buch, wenn sich zeigt, wie Goethe etwa ganz unbekümmert für sich eine Sehweise reklamiert, die Kant eigentlich für Gottes Augen reserviert hatte". Und Engelhards Prosa, Vollmann "möchte sie lakonisch nennen" erreiche eben in ihrer Umstandslosigkeit die "schönste Nähe" zu Goethe.
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