1816 spielte das Klima verrückt. Der Winter brachte extreme Kälte; sintflutartige Regenfälle führten in Asien zu gewaltigen Überschwemmungen. In Westeuropa wie in Nordamerika erlebte man das "Jahr ohne Sommer". Die Ursache kannte damals niemand: Es war der Ausbruch des Vulkans Tambora im heutigen Indonesien - der größte Vulkanausbruch in der menschlichen Geschichte. Der renommierte Klimahistoriker Wolfgang Behringer erzählt in seinem Buch zum ersten Mal die globale Geschichte dieser Klimakatastrophe, die die Welt auf Jahre hinaus in politische und soziale Krisen stürzte. Durch Missernten wurde 1817 zum "Jahr des Hungers". Es folgten Seuchen, die ganze Regionen lahmlegten, riesige Auswanderungswellen, politische Unruhen und Attentate, die eine vorrevolutionäre Stimmung erzeugten. In Deutschland machte man die Juden zum Sündenbock der Misere, in Südafrika die Hexen, und in China untergruben Geheimgesellschaften die Autorität des Staates. Noch nie zuvor wurden all diese Ereignisse auf ihren gemeinsamen Ursprung bezogen. Der Tambora-Ausbruch testete die Fähigkeit der menschlichen Zivilisation, mit der dramatischen Verschlechterung ihrer Lebensbedingungen umzugehen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 16.12.2015
Urs Hafner nimmt das Buch des Historikers Wolfgang Behringer als Mittel, um die Sinne in Sachen Klimawandel zu verfeinern. Aber auch als staunenswerte Parallelgeschichte und Korrektiv zum offiziellen Narrativ gefällt ihm das Buch. Wenn der Autor den Ausbruch des Vulkans Tambora in Indonesien anno 1815 als Urgrund für so ziemlich jedes geschichtliche Folgeereignis von den großen Hungersnöten bis zur Revolutionierung des Straßenbaus, der Begradigung des Rheins und der Entstehung der englischen Klassengesellschaft nimmt, möchte Hafner ihm zwar nicht in allem bedingungslos folgen. Der Umstand, dass der Autor damit ein aus der Geschichtsschreibung herausgefallenes Ereignis ins Gedächtnis ruft und quasi in die Welt zurückholt, erfüllt den Rezensenten allerdings mit einiger Dankbarkeit.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 01.12.2015
Rezensent Burkhard Müller wundert sich, dass vom größten bisher je gemessenen Vulkanausbruch bisher so wenig bekannt ist. Umso dankbarer ist der Kritiker, dass Wolfgang Behringer nun ein instruktives Buch über den Ausbruch des Tambora auf der Insel Sumbawa im Jahre 1815 geschrieben hat. Interessiert liest der Rezensent nicht nur von den unmittelbaren Folgen des Ausbruchs, bei dem allein sechs Fürstentümer ausgelöscht wurden, sondern auch von den zahlreichen verheerenden Spätfolgen: Durch die Masse an Asche und anderen Stoffen, die in die Atmosphäre geblasen wurden, geriet das globale Wetter derart durcheinander, dass es zu einer entsetzlichen Hungerkatastrophe kam, informiert der Kritiker, der auch von den hier versammelten zeithistorischen Dokumenten ergriffen ist. Auch mit Blick auf den gegenwärtigen Klimawandel ist dieses Buch äußerst lesenswert, meint der Rezensent.
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