Im Mittelalter spielten magische Sprüche, Segensformeln und Beschwörungen eine überragende Rolle im Alltagsleben der Menschen. Dies belegen eine Fülle von Bild- und Textzeugnissen. Die wichtigsten und prägnantesten mittelalterlichen Beschwörungen und Heilsegen werden im vorliegenden Buch erstmals aus ärztlicher Sicht dokumentiert und erläutert. Dabei sind sowohl ihre historischen Wurzeln als auch das kulturelle Umfeld ihres einstigen Gebrauchs detailliert dargestellt. Anhand einer der größten privaten Textsammlungen verfolgt der Autor ihre Spuren bis in die Neuzeit. In Überwindung bisheriger Theorien von Magie als archaischer Ordnungssuche oder als Vorstellungen von Obskurität und Aberglaube werden die im Mittelalter geübten verbalen Kriseninterventionen vielfach als psychosomatische Begleitinstrumente von praktischer Notfalltherapie verstanden und modellhaft mit modernen neurobiologischen Forschungsergebnissen verglichen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 19.12.2011
Wenn's nach Rudolf Neumaier und dem Autor dieses Buches ginge, wären die Segenssprüche manchmal schon einen Versuch wert. Möglich, dass wir doch nicht so abgeklärt säkularisiert sind, wie wir meinen. Dann könnte ein Spruch, eine Beschwörung, ein Segen uns durchaus Leid ersparen, weil unsere Neuronen immer noch genauso feuern, wie anno dunnemals. Oder doch nicht? Was der Nervenarzt und Hobby-Medizinhistoriker Wolfgang Ernst an Segenssprüchen in diesem laut Neumeier lesenswerten Buch versammelt hat, stellt sich für den Rezensenten als doch nicht ganz voraussetzungslos heraus. So nützlich etwas der Blasiussegen einst gewesen sein mochte, die Geschichte dahinter muss man schon kennen, um in den Genuss einer solchen Erzähltherapie zu kommen. Genau hier hapert's jedoch beim säkularen Menschen.
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