Wolfgang Koeppens Romanfragmente sind in einem Zeitraum von beinahe sechzig Jahren entstanden. Sosehr der Autor Phasen gesteigerter Produktivität kannte, wie beispielsweise in den Jahren 1951 bis 1954, als seine Romane "Tauben im Gras", "Das Treibhaus" und "Der Tod in Rom" erschienen, so sehr sah er sich auch immer wieder der Erfahrung ausgesetzt, seine literarischen Pläne nicht verwirklichen zu können. Wolfgang Koeppen war ohne Zweifel ein krisenhafter Autor, aber womöglich war das Unvollendete und Fragmentarische nicht nur Hemmnis, sondern auch Bedingung seiner Produktivität. Und manchmal war es sogar die Vollendung selbst, nannte der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki Koeppens Roman "Jugend von 1976" doch ein "vollendetes Fragment". Band 11 der Werke versammelt erstmals die von Wolfgang Koeppen hinterlassenen und bislang größtenteils ungedruckten Romanfragmente aus einem Zeitraum von über sechzig Jahren. Angefangen von "Die Jawang-Gesellschaft" aus den späten dreißiger Jahren über die Projekte "Ein Maskenball" sowie "In Staub mit allen Feinden Brandenburgs" aus den sechziger und siebziger Jahren bis hin zu den späteren, autobiographisch grundierten Texten "Tasso oder die Disproportion" (um 1980) und "Das Schiff" aus den späten achtziger und frühen neunziger Jahren.
Der Literaturwissenschaftler Erhard Schütz kann in Wolfgang Koeppens Romanfragmenten leider nicht mehr erkennen als melancholische Splitter und poetische Assoziationen und Miniaturen. Kein Ansatz zu einem weiteren großen Wurf, wie ihn Koeppens Verleger Unseld einst ankündigte. Die Stücke in dem voluminösen Band vermitteln Schütz auch nicht die Idee, worauf sie hinauslaufen sollten. Für Schütz sind sie Versuche, der eigenen Biografie Sinn und Form zu geben, Spannungsbogen und Konstruktion fehlen, meint er. Am ehesten noch vermag er in den Fragmenten einen "Berlin-Roman in monumentalen Trümmern" zu sehen.
Ernüchternd, was aus dem Nachlass Wolfgang Koeppens hier zusammengestückelt wurde, findet Rezensent Volker Weidermann. Jahrzehntelang hatte Weidermann wie viele darauf gehofft, dass Koeppen im Stillen großes fabriziert hatte, nachdem es um den Schriftsteller nach drei gefeierten Nachkriegsromanen so eigenartig still geworden war. Doch die Fragmente, die nun erschienen sind, sind lediglich repetitive Notizen, so Weidermann, der ganz besonders von einem Romanentwurf über eine Kreuzfahrt enttäuscht ist. Koeppen hat sich nach seinen frühen Erfolgen also tatsächlich häuslich in seinem Schweigen eingerichtet, resümiert der niedergeschlagene Rezensent.
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