1968 das Jahr, an dem sich bis heute die Geister scheiden. Für die einen bedeutet es Aufbruch, Revolte und Emanzipation, für die anderen Flirt mit dem totalitären Kommunismus, Werteverfall und Geburtsstunde des RAF-Terrors. Was wollten die Achtundsechziger, was haben sie erreicht? Vierzig Jahre danach zieht der Historiker Wolfgang Kraushaar kritisch Bilanz.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 18.03.2008
Mit Lob bedenkt Johano Strasser dieses Buch über die 68er-Revolte von Wolfgang Kraushaar. Die Darstellung hält er für ausgewogen, unparteiisch und "differenziert", was er angesichts der Emotionalität, mit der dieses Thema immer noch diskutiert wird, zu schätzen weiß. Zustimmend äußert er sich über Kraushaars Behandlung der 68er-Revolte als internationales Phänomen, das lange vor 1968 begonnen habe. Er attestiert er dem Autor, anhand von Quellen nicht nur "religiös konnotierte Vorstellungen einer radikalen Umkehr" bei den 68ern aufzuzeigen, sondern auch Verhaltensmuster aus der romantischen und der vitalistisch-lebensphilsophischen Tradition. Auch im Blick auf die Wirkungen von Achtundsechzig schließt sich Strasser dem Autor weitgehend an. Allerdings moniert er eine zu starke Ausrichtung des Buchs auf die Gruppen, die am spektakulärsten auftraten, und eine Vernachlässigung des reformistischen Teil der Bewegung.
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 13.03.2008
Der Debatte um 1968 widmet Stefan Reinecke gleich einen ganzen Stapel Besprechungen. Wolfgang Kraushaars "Achtundsechzig" versinke anders als andere Titeln zum Thema nicht in narzisstischer Selbstbeweihräucherung oder Selbstkritik, lobt Stefan Reinecke. Obwohl Kraushaar selbst eine der handelnden Personen von Achtundsechzig war, habe er sich durch präzise Recherche und Darstellung der Zeit verdient gemacht, und dabei auch ihre weniger appetitlichen Seiten wie die Selbstüberschätzung der Revoltierenden oder den antisemitischen Bodensatz in Teilen der Bewegung aufgezeigt. Im vorliegenden Band fasst Kraushaar allerdings im wesentlichen seine alten Befunde zusammen, berichtet der Rezensent. Kraushaar beschränke sich nicht auf die Betrachtung der von deutschen Achtundsechzigern produzierten Texte, sondern bezieht auch kulturelle Aspekte wie Kinderläden und Psychosekten mit in seine Bilanz ein, lobt er. Letztlich vermisst Stefan Reinecke an Kraushaars Band jedoch eine neue These sowie eine "deutende Richtung".
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