Grenzen sind in einer globalisierten Welt zum Dauerthema geworden: Die Überwindung von Grenzen wird zum Versprechen wie zum panischen Schrecken, und die Annahme, dass in einer von abstraktem Geld gesteuerten digitalen Welt Grenzen einfach verschwinden, ist eine so irrige wie weit verbreitete Vorstellung. Doch Grenzen sind weit mehr als das, im Begriff der Liminalität oder Grenzhaftigkeit erweisen sie sich als ein unhintergehbares Phänomen individueller und sozialer Selbstgestaltung. Tatsächlich ist Liminalität konstitutiv für die Selbsterfahrung unserer eigenen physischen Grenzen, für die Anwesenheit des Todes im Leben oder für unsere heterogene psychische Befindlichkeit und Identität. Die Funktion von Grenzen als Hindernis löst sich dadurch nicht auf, aber es wird sichtbar, dass Liminalität sich ständig wandelt und neue Gestalt annimmt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.02.2026
Ein lohnendes Buch hat Wolfgang Müller-Funk geschrieben, findet Rezensent Joseph Hanimann - wenn man damit umzugehen versteht. Es geht um das Phänomen der Grenze, dem Müller-Funk nicht streng analytisch, sondern assoziativ nachspürt, angeregt unter anderem von Simmels kulturwissenschaftlichen Überlegungen zum Thema des Auf- und Zumachens, auch Kafka spielt eine wichtige Rolle. Keineswegs schreibt Müller-Funk also nur über physische, handfeste Grenzen - wobei seinem eigenen Buch ein paar Eingrenzungen womöglich gut getan hätten, überlegt sich Hanimann, man fühlt sich doch oft etwas verloren in dieser beeindruckenden Materialsammlung. Der Rezensent empfiehlt, gar nicht erst aufs große Ganze dieses Flickenteppichs zu schauen, sondern sich hier und da intellektuelle Schmankerl heraus zu picken, wie etwa Müller-Funks kluge Überlegung zum Horizont und zum Exil.
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