Gier - den Hals nicht voll kriegen zu können, so lautet die mit Abstand häufigste Antwort auf die Frage nach der tieferen Ursache der Krise unseres Finanz- und Gesellschaftssystems. Der Psychoanalytiker Hans-Joachim Maaz gibt sich mit dieser Antwort nicht zufrieden. Gier, sei es nach Geld oder anderen Lebensvorteilen, so kann er zeigen, ist Ausdruck einer narzisstischen Störung. Der narzisstische Mensch ist im Kern ein um Anerkennung ringender, stark verunsicherter Mensch. So tut er alles, um die Bestätigung, die er zum Leben braucht, zu erhalten. Diese narzisstische Kompensation bedarf ständig erweiterter Ablenkung durch Konsum, Besitz, Animation und Aktion. Gier ist keine spezifische Charaktereigenschaft etwa von Bankern oder lediglich Folge falscher Anreize: Für Maaz ist sie ein zentrales Symptom der narzisstischen Bedürftigkeit der meisten Bürger der westlichen Konsumgesellschaften. Besonders ausgeprägt ist sie allerdings bei den Trägern gesellschaftlicher Macht anzutreffen: bei Politikern, Managern und Stars.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 21.09.2012
Einen zwiespältigen Eindruck hat Hans-Joachim Maaz' Buch über die "narzisstische Gesellschaft" bei Joachim Güntner hinterlassen. Auf der einen Seite scheint ihm die strikt psychoanalytische Argumentation des Autors - kulturhistorische, politische, soziologische oder sozialphilosophische Analysen kommen nicht vor - doch etwas reduktionistisch, will Maaz über den Schlüsselbegriff des Narzissmus doch so gut wie alle Übel der Welt - vom Krieg bis zum Fitnesswahn - erklären. Güntner moniert hier insbesondere die Tendenz des Autors zu überspitzten und paschaulisierenden Aussagen. Andererseits kommt er nicht umhin einzuräumen, dass Maaz mit seinen Problemanalysen durchaus "wunde Punkte" trifft. Besonders hebt der Rezensent die Ausführungen über die Bedeutung der Mutter für die kindliche Entwicklung und die Entstehung der narzisstischen Störung hervor, die an Heinz Kohut, der zum Thema Narzissmus schon vor 40 Jahren alles Wesentliche gesagt hat, anknüpfen.
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