Warum sind "Negerküsse" und "Mohrenköpfe" weitgehend aus unseren Bäckereien verschwunden? Warum liefern Fragen wie "Political Correctness", Euthanasie oder Organtransplantation Zündstoff für heftige weltanschauliche Debatten? Tabus sind nachwievor allgegenwärtig, auch wenn wir meinen, über alles reden zu können. Klar und verständlich zeigt der Psychoanalytiker anhand von vielen Beispielen aus Kultur, Anthropologie, Politik und Alltagsleben, auf welche Weise Tabus auf psychosozialer und tiefenpsychologischer Ebene wirksam sind und welche Funktion sie für das gesellschaftliche Zusammenleben erfüllen. Ein Buch, das die Macht von Tabus scharfsinnig analysiert und die "blinden Flecken" unserer Gesellschaft schonungslos offen legt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 25.05.2004
Recht angetan zeigt sich Rezensent Florian Welle von Helmut Krafts Arbeit "Tabu. Magie und soziale Wirklichkeit", in dem der Psychoanalytiker Funktionen, Wandlungen und Erscheinungsformen von Tabus unter die Lupe nimmt. Neben Themen wie "Vergütung bei Organtransplantationen", "Verabschiedung der Euthanasiegesetze in den Niederlanden und Belgien", "Inzest als gut gehütetes Familiengeheimnis" befasse sich der Autor auch mit Nahrungs- und Geruchstabus, berichtet Welle. Welle hebt hervor, dass Kraft jeweils zwischen Rahmenbedingungen von Tabus - Gruppe, Zeit, Ort - und öffentlichen und individuellen, bewussten und unbewussten Tabus unterscheidet. Ihm gelinge es, so der Rezensent lobend, sowohl die Vielschichtigkeit als auch den Kern von Tabus "anschaulich und überzeugend" herauszupräparieren.
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