Wie ihr Pendant, die Helikoptereltern, ist auch die Helikoptermoral immer schon da, immer bereit, Stellung zu beziehen. Das tut sie unter viel Getöse mit schnellen Urteilen, um so die schnellen Affekte von Angst und Wut zu bewältigen, die angesichts einer unsicheren Zukunft in einer komplexen Welt dominieren. Es geht nicht mehr um eine gut funktionierende Moral, die das Zusammenleben regelt, sondern um das endgültige Urteil, die zu Superlativen übersteigerten Werte jenseits aller Realität. Plakative Aussagen über Richtig und Falsch, über Gut und Böse, über Schwarz und Weiß sollen die Welt unserer lärmenden Eventkultur richten. Die kurzfristige Entlastung, die die Helikoptermoral emotional verschafft, bedeutet auf lange Sicht nicht nur, dass viel Energie für Verleugnungen vergeudet wird, sondern der Kontext, der Zusammenhang mit der Realität sich mehr und mehr verliert.
Rezensent Stephan Lebert lernt bei dem Psychoanalytiker Wolfgang Schmidbauer auf die eigenen moralischen Helikopter zu achten. Vergnügt liest der Kritiker, wie schonungslos der Autor mit all jenen Leuten abrechnet, die ihre "Urteile wie Rüden ihren Urin absondern". Schmidbauer liefert ihm die Diagnose einer "hysterischen" Gesellschaft, in welcher der moralische Perfektionismus nicht nur zu einer "Jagd nach einfachen Antworten" und Angst vor dem öffentlichen Pranger führe, sondern auch die Demokratie gefährde. Nach der Lektüre sehnt sich der Kritiker nach ein paar politisch inkorrekten Witzen.
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