Mit dem Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg werden meist Siedlungen und Stadtlandschaften verbunden. Doch es hat in dieser Zeit auch im Ruhrgebiet eine Richtung gegeben, die einer explizit urbanen Vorstellung folgte. Diese meist aus den Stadterweiterungen des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts hervorgegangenen Quartiere, bestehend aus Straßen, Plätzen und Blockrandbebauung mit einer Funktionsmischung, waren nach dem Krieg zwar vielfach stark beschädigt, jedoch keineswegs ausgelöscht. Als dichte, gemischte Stadtquartiere wiederaufgebaut, prägen sie noch heute die Struktur vieler Ruhrgebietsstädte entscheidend. Sie stehen für einen absichtsvoll normalen Städtebau, der hier erstmals mit Texten namhafter Experten und Fotografien von Matthias Koch präsentiert wird.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.10.2018
Rezensent Andreas Rossmann sieht das Ruhrgebiet mit anderen Augen mit diesem Band, in dem Wolfgang Sonne und Regina Wittmann Forschungsergebnisse zum Städtebau versammelt haben. Dass vor allem dank des Städteplaners Philipp Rappaport der Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg unter dem Leitbild einer Modernisierung auf historischer Basis ablief, erfährt der Kritiker hier ebenso wie er in elf Fallstudien liest, wie mit der Industrialisierung Quartiere als erste Erweiterung der vorindustriellen Stadtkerne entstanden. Trotz Karten, Pläne, Zeichnungen und Fotografien richtet sich der Band allerdings eher an ein Fachpublikum, glaubt der Rezensent, der zudem gerne etwas über Sozialstruktur und Alltag in den Stadtquartieren erfahren hätte.
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