Memokratie
Soziale Medien und autoritäre Bildpolitik

Klaus Wagenbach Verlag, Berlin 2026
ISBN
9783803152008
Broschiert, 192 Seiten, 23,00
EUR
Klappentext
Memes in den Sozialen Medien sind meist provokant, lustig durch Grenzverletzung, so improvisiert wie prägnant, überspitzt und oft vorurteilsbeladen.Schon im US-Präsidentschaftswahlkampf 2016 wurde deutlich, dass rechte Politik mit Memes nicht nur schrill verpackt wird. Spätestens seit der zweiten Amtszeit des "Shitposter-in-Chief" Donald Trump ist klar: Aggressiver Internethumor, Deep Fakes und KI-Bilder auf offiziellen Accounts werden als effektives Machtinstrument genutzt. Memes dienen der Feindbildproduktion, als Stimmungsbarometer für Themen und Narrative sowie als pseudo-harmloses Mittel zur Polarisierung demokratischer Diskurse.Wolfgang Ullrich diagnostiziert eine neue illiberale Regierungsform: die Memokratie. In ihr herrscht, wer die Plattformen dominiert - oder gleich besitzt. Anhand zahlreicher Beispiele untersucht er Strategien autoritärer Bildpolitik in den USA, aber auch bei europäischen Identitären oder in China. Und Ullrich analysiert, warum es demokratischen Kräften so schwerfällt, diesem enthemmten Bildgebrauch etwas entgegenzusetzen.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 15.06.2026
Tobias Lehmkuhl warnt vor der Hoffnungslosigkeit, in die Wolfgang Ullrich den Leser entlässt. Nachdem er erklärt hat, was ein Meme eigentlich ist, und darin einen Trend ausgemacht hat, der geradewegs in die Memokratie führt, eine Regierungsform, in der nicht Argumente, sondern grelle Bilder und Grenzüberschreitungen zählen, verstummt der Autor, so Lehmkuhl etwas enttäuscht. Die wenigen Vorschläge zur Abwehr der "Meme-Armee" können Lehmkuhl kaum optimistisch stimmen. Das Buch aber nennt er eine "erhellende Pionier-Studie" mit plausiblen Argumenten zu einem Thema, bei dem natürlich Musk und Trump Hauptrollen übernehmen.
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 23.05.2026
Über die Macht der Memeability liest Rezensent Michael Wolf Aufschlussreiches im Buch von Wolfgang Ullrich, der in seiner Reihe "Digitale Bildkulturen" auch schon beispielsweise Bände zu Emojis oder Catcontent herausgegeben hat. Diesmal ist es die Bild-Witz-Form des Memes, die als zentrale Schaltstelle zwischen Internetkultur und Politik erschlossen wird - und vor allem als von rechter Seite souverän eingesetztes Machtinstrument: Dass etwa ein stolz seine Unterschriften präsentierender Donald Trump oder ein Hitlergruß-zeigender Elon Musk sich im echten Leben an ihre Memes anzunähern scheinen, ist für den Autor kein Zufall, sondern Kalkül - die Autokraten (oder mit Ullrich: Memokraten) wissen um die Verbreitbarkeit und das Agressionspotenzial dieser Bilder, die gerne auch zur Hetze gegen politische Gegner eingesetzt werden, liest Wolf. Diese Wechselwirkung herauszuarbeiten, ist für den Kritiker klares Verdienst des Buchs - nur fällt ihm das Fazit zu pessimistisch aus. Vielmehr wünscht er sich eine Ermutigung an die Linke: "Mehr Meme wagen!"
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 02.04.2026
Eine interessante, wenn auch etwas einseitige Einlassung zum Thema Trump ist dieses Buch, findet Rezensent Thomas Groß. Der Kunsthistoriker Wolfgang Ullrich argumentiert, dass der Trumpismus nicht zuletzt auf dem geschickten Einsatz von Internet-Memes fußt. Ullrich zeichnet nach, wie die anfangs egalitäre Netzkultur schon zu Obamas Zeiten immer stärker popkulturell überformt wurde und jetzt in Form von oft geschmacklosen Bildwitzen zu einer imperialistischen Waffe geworden ist. Linksliberale stellt Trump mit seiner Aneignung der Memekultur vor ein Problem: wie darauf antworten, ohne diesen Stil zu kopieren? All das liest sich schlüssig, so Groß, der darauf hinweist, dass der Trumpismus nicht nur auf Memes, sondern auch auf handfesten Machtmitteln wie Zöllen und Bomben basiert, was bei Ullrich nicht vorkommt. Insofern, heißt es am Ende, bekommt dieses gleichwohl lesenswerte Buch nur einen Teil des Problems zu fassen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.03.2026
Dass der Kampf um die Demokratie ein Kampf um Formate und Affektökonomien ist, lernt Rezensentin Kira Kramer mit dem Buch des Bildwissenschaftlers Wolfgang Ullrich. Es geht um Meme, ihre Funktions- und Wirkungsweise und Macht, erklärt die Rezensentin. Dass Ullrich sich damit auskennt, merkt sie schnell, wenn der Autor den Weg der Meme aus der Subkultur in die Infrastruktur beschreibt. Spätestens wenn Ullrich die Memekultur zugespitzt mit Terror vergleicht, wird der Ernst der Lage erkennbar, findet Kramer. Dass der Autor nach der Analyse keine Lösung vorstellt, macht das umso deutlicher, meint sie.