Der Kampf in den Köpfen
Wie TikTok, Instagram & Co unsere Kinder manipulieren

Rowohlt Berlin Verlag, Berlin 2026
ISBN
9783737102414
Gebunden, 256 Seiten, 24,00
EUR
Klappentext
Von Feeds, die Suizid verherrlichen, über Mutproben wie die Würge-Challenges bis hin zu Incel-Influencern, die "hegemoniale Männlichkeit" propagieren: Soziale Medien bergen Gefahren für Kinder und Jugendliche, die weit über Mediensucht hinausgehen. Sie wirken vielmehr tief hinein in das soziale Verhalten und die politische Identität Heranwachsender - und beeinflussen, wie diese Beziehungen pflegen und ihre Persönlichkeit entwickeln.Nina Kolleck bringt die sozialen und politischen Abgründe von Social Media auf den Punkt. Sie führt vor Augen, mit welchen manipulativen Algorithmen die Plattformen emotionale Bedürfnisse junger Menschen ausnutzen, Desinformation und extremistische Inhalte befeuern - und das in den Köpfen derjenigen, die die Gesellschaft von morgen prägen. Kolleck warnt vor dem Einfluss sozialer Medien auf Gehirnaktivität und Verhalten und macht sichtbar, wie TikTok & Co Erziehungs- und Bildungsfunktionen übernehmen, während Eltern und Lehrkräfte machtlos zurückbleiben. Sie zeigt: Dieses Thema geht uns alle an. Wir müssen die Mechanismen von Social Media verstehen, um unsere Kinder vor Manipulation zu schützen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.04.2026
Aufschlussreich findet Rezensentin Heike Schmoll, was Nina Kolleck hier über die Nutzung sozialer Medien unter Jugendlichen schreibt. Die Erziehungswissenschaftlerin Kolleck vermeidet einen alarmistischen Tonfall und hält auch nichts von Handyverboten in der Schule, es hilft schlicht nichts, digitale Realitäten zu verleugnen. Vielmehr sollen sie, wenn es nach Kolleck geht, aktiv gestaltet werden, zum Beispiel durch abgestufte Altersbeschränkungen in sozialen Netzwerken, die freilich auch mit einer besseren Kontrolle der Plattformen einhergehen müssen. Außerdem plädiert Kolleck dafür, nicht immer nur über Schlagworte wie Datenschutz und Cyberbullying zu sprechen, sondern den alltäglichen Gebrauch der Technik durch junge Nutzer in den Blick zu nehmen - etwa die Vereinsamungstendenzen, die entstehen, wenn soziale Kontakte sich ins Netz verlagern. Ein neuer Blick auf soziale Medien kann diese durchaus zu Werkzeugen für eine wiedererstarkte Demokratie machen, glaubt Schmoll, die sich Kolleck gern anschließt.
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 11.04.2026
Die Frage, wie wir als Gesellschaft und insbesondere Kinder und Jugendliche mit den sozialen Medien umgehen, ist ziemlich dringend, so Rezensentin Svenja Bergt, die in dem Buch der Bildungsforscherin Nina Kolleck einen interessanten auf zwischenmenschliche Beziehungen fokussierten Ansatz liest. Kolleck geht davon aus, dass die Plattformen zu "Sozialisationsinstanzen" geworden sind, die "digitale Nähe" vermitteln können, die allerdings höchst volatil ist und auch negative Auswirkungen auf realweltliche Beziehungen haben kann, wie wir lesen. Bergt erfährt einiges sowohl zu den Gefahren wie der Manosphere und unregulierten pornografischen Inhalten, aber auch zu Vorteilen wie Sichtbarkeit für Minderheiten. Die Forderung der Forscherin, soziale Medien nicht zu verbieten, sondern gestaffelt zugänglich zu machen und mit pädagogischen Maßnahmen zu flankieren, findet die Kritikerin sinnvoll. Sie hätte sich zwar gewünscht, dass auch Gaming in den Überlegungen berücksichtigt wird, hält das Buch aber in jedem Falle für eine wichtige Grundlage.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 14.03.2026
Rezensent Moritz Baumstieger betont, dass Nina Kolleck keine Alarmistin sei, die nur ein paar Studien und Suchergebnisse zusammenrühre. Vielmehr bewege sich die Potsdamer Erziehungswissenschaftlerin auf solider empirischer Grundlage, die sie zum Teil selbst geschaffen habe. Trotzdem findet Baumstieger auch bei ihr all die negativen Folgen aufgelistet, die der Social-Media-Konsum für Kinder und Jugendliche bereithält, von den süchtig machenden Dopamin-Kicks über kaputte Bindungen bis zum "Traumbody-Terror". Dass Kolleck sich gegen "pauschale Verbote" ausspricht, behagt dem Rezensenten dabei ebenso wie die Fairness, mit der sie auch die positiven Seiten der Sozialen Medien behandelt.