Wolfgang Wippermann zeigt in seiner Streitschrift, wie Konstruktion und Erfindung von Totalitarismusdoktrin und Extremismuslegende ihre Anwendung auf die DDR finden. Danach sollen Faschismus und Kommunismus grundsätzlich miteinander vergleichbar, ja weitgehend identisch sein. Letzteres hat zur Verharmlosung des Dritten Reiches und zu einer Dämonisierung der DDR geführt. Beides geschieht aus vergangenheits- und gegenwartspolitischen Motiven. Die beschönigende Relativierung des Dritten Reiches diente der endgültigen Bewältigung der nationalsozialistischen Vergangenheit, und mit der Dämonisierung der DDR will man die Gegenwart überwältigen, die politikwissenschaftlichen Diskurse bestimmen und den politischen Gegner treffen. Fest steht: Wie auch immer man die Verbrechen der DDR be- und verurteilen mag - ein Auschwitz hat es in ihr nicht gegeben.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.12.2009
Frank-Lothar Kroll kann kaum glauben, was ihm der Autor hier verkaufen will. Die Existenz von Humor und Heiterkeit in der DDR gilt Wolfgang Wippermann als Indiz dafür, dass es ebenda keine totalitären Machtstrukturen gab. Wenn der Autor auf die Art sein Denkverbot in Sachen Diktaturvergleich aufrechterhalten will, bittesehr. Kroll jedenfalls hat eine derart PDS-nahe Historiografie, die Hannah Arendt zur Dämonisiererin der DDR stempelt, dicke. Den entrüsteten Antifaschisten nimmt er Wippermann nicht ab. Alles wohlfeile Pose, meint er. Einzelne Analogien zwischen DDR und "Drittem Reich", etwa bei der Machtsicherung und Herrschaftsausübung liegen für Kroll jedoch auf der Hand.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 03.08.2009
Laut Ulrich Teusch manövriert sich der Autor mit seiner Polemik gegen wohlfeile Gleichsetzungsversuche von DDR und Drittem Reich in eine "unkomfortable Situation". Indem Wolfgang Wippermann sie als Dämonisierung der DDR und Verunglimpfung linker Strömungen anprangert, dabei aber die laut Teusch sicherlich vorhandenen "guten" Argumente mitunter aus dem Blick verliert, geraten Treffsicherheit, Witz, aber auch jede ernsthafte Beschäftigung mit Totalitarismus- und Extremismuskonzepten für ihn ins Hintertreffen. Zweierlei gibt der Rezensent schließlich zu bedenken: Ob eine Dämonisierung der DDR, wie hier behauptet, zwangsläufig auch zu einer Verharmlosung der NS-Zeit führt. Und ob der linke Demokrat Wippermann der "von ihm geschätzten" sozialistischen Idee (auch trotz seiner klar antinostalgischen Haltung der DDR gegenüber) mit dieser Streitschrift nicht einen Bärendienst erweist.
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