Die zweite Auflage von Segebrechts "Leseliste" wirbt auch in ihrer überarbeiteten und aktualisierten Form für das Lesen. Ob Beitrag zur Kanonisierung oder Vorschlag zur Lektüre - dieses "Vademecum" ist für alle angehenden oder fortgeschrittenen Germanisten eine gute Orientierungshilfe und beantwortet in vielerlei Hinsicht die Frage "Was sollen Germanisten lesen?" Der Verfasser ordnet die (nur deutschsprachigen) Autoren chronologisch seit dem Mittelalter. Selbstredend ist die kommentarlose Liste angreifbar, da nur eine Auswahl getroffen werden konnte, aber Mut gehört dazu, Mut zu Lücke, denn der Autor weiß, was Studenten benötigen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 16.12.2000
Undurchsichtige Welt, in der wir leben! meint der Rezensent "wl".. Woher sonst diese Flut an Ratgebern und Handbüchern? Zwei von ihnen (Ralf Schnells "Orientierung Germanistik" und Wulf Segebrechts "Was sollen Germanisten lesen") hat "wl" zu Rate gezogen und festgestellt, dass sie sich nicht nur prima ergänzen, sondern außerdem das Zeug dazu haben, sich auf dem hart umkämpften Markt durchzusetzen. Insbesondere Schnells "behutsam" und in "aufgeräumter Sprache" daherkommender Leitfaden wird in dieser Besprechung mit viel Lob bedacht. Dieser halte, was er verspreche und gebe eine Bestandsaufnahme der Germanistik, "wie sie zeitgemäßer schwer vorstellbar ist". Auch die satirische Zugabe einer "Charaktergalerie" all jener Typen, welche die Flure der Germanistik säumen, findet "wl" durchaus brauchbar. Da fällt dem schmalen Segebrechtschen Bändchen eben die Supplement-Rolle zu: als "Lektüreliste" und "Kanon-Vorschlag" zur Primärliteratur - muss man lesen!
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