Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 11.11.2000
Wie schön - der Rezensent findet sich als Rezensent im zu besprechenden Buch wieder. Ludwig Harig hat mal eine Novelle von Dieter Wellershoff besprochen, und Werner Jung hat nun eine Monographie über den Autor Wellershoff verfaßt, worin dieser auf Harig Bezug nimmt und das Harig nun also wiederum bespricht. Kompliziert? Normales Literaturgeschäft, das auch durch die vorliegende Besprechung der Wellershoff-Monographie nicht gerade durchsichtiger wird. Jung, so schreibt Harig, beweise am Werk Wellershoffs erneut seine These, dass die Literatur "weder Abbild noch Spiegel des Lebens" sei, sondern "Modellansicht, Perspektive, Figuration in sprachlicher Transzendierung". Sein Buch sei ein Versuch, "realistische Literaturbeschreibung poetologisch zu fundieren". Laut Harig hat Jung als wiederkehrendes Motiv das Gefühl des Eingesperrtseins ausgemacht, das dieser analog zum Gefühl der Leere setze. Vereinzelung, Dunkelheit charakterisierten den Erfahrungsraum der Wellershoffschen Figuren. Wellershoff stehe seinen Figuren bei, indem er ihnen die dunkle Welt erzählerisch erschließe, faßt Harig Jungs unspektakuläre Arbeitshypothese zusammen und zitiert einen Satz aus einer Magisterarbeit: "Bei Wellershoff, erfrischt der Tod das Leben".
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