Yael Wouden, van der

In ihrem Haus

Roman
Cover: In ihrem Haus
Gutkind Verlag, Berlin 2025
ISBN 9783989410541
Gebunden, 320 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Aus dem Niederländischen von Stefanie Ochel. Man kann sich nur so lange vor der Wahrheit verschließen, bis sie an die Tür klopft. 1961, in der niederländischen Provinz: Seit dem Tod ihrer Mutter lebt Isabel allein in dem großen, von der Zeit gezeichneten Familienhaus. Die Tage ziehen ruhig und geordnet dahin. Doch als ihr Bruder Louis seine ungehobelte Freundin Eva bei ihr einquartiert, geraten Isabels stille Routinen ins Wanken, und das Haus, das einst Schutz und Sicherheit bot, wird zum Schauplatz unheimlicher Veränderungen. Plötzlich verschwinden Dinge und Isabel wird immer misstrauischer gegenüber Eva, die nicht das zu sein scheint, was sie vorgibt. In der flirrenden Sommerhitze entwickelt sich eine unerwartete Anziehung zwischen den beiden Frauen, die Isabels festgefügtes Weltbild erschüttert. Die Vergangenheit, die Isabel zu verdrängen versucht hat, holt sie endgültig ein und zwingt sie, sich ihren Vorurteilen und der dunklen Geschichte des Hauses zu stellen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.08.2025

Rezensentin Maria Wiesner versteht gut, weshalb es der Debütroman der niederländisch-jüdischen Autorin Yael van der Wouden direkt auf die Shortlist des Internationalen Booker-Preises geschafft hat. Denn für die Kritikerin stimmt hier einfach alles: Gebannt folgt sie zunächst Isabel, die sich in der niederländischen Provinz der frühen Sechziger nach dem Tod der Mutter in deren Haus zurückzieht - bis ihr Bruder seine Freundin Eva ebenfalls dort einquartiert. Während Isabel zu dem Haus ein geradezu "symbiotisches" Verhältnis pflegt, registriert sie, dass seit Evas Ankunft immer wieder Dinge verschwinden, resümiert die Rezensentin. Formal überzeugt Wiesner vor allem das Spiel mit verschiedenen Perspektiven, insbesondere dann, wenn Wouden Evas Sicht in Tagebuchform wiedergibt. Was den Roman für die Kritikerin aber herausragen lässt, ist die Subtilität, mit der die Autorin das Thema "Enteignung von jüdischen Menschen" einflicht. Dass der Roman dabei "hoffnungsvoll" endet, bestärkt Wiesner in ihrer Empfehlung. 

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 01.03.2025

Die Protagonistin Isabel aus Yael van der Woudens Debütroman findet bei der Gartenarbeit eine Scherbe des guten Geschirrs ihrer Mutter, eine Scherbe, die die Erinnerung an die Geschichte des Hauses, in dem sie lebt, wieder heraufbeschwört, erklärt Kritikerin Carola Ebeling den Auftakt des Buches. Die Handlung spielt 1961, die neurotische Isabel erinnert sich plötzlich wieder daran, wie ihre Familie unter mysteriösen Umständen noch 1944 in dieses voll eingerichtete Haus gezogen ist und macht so Raum für das zentrale Thema des Buches, das Verhalten der Niederländer während des Holocausts. Weniger überzeugend sind für Ebeling die Passagen, in denen Isabel mit der zweiten Protagonistin Eva, der Freundin ihres Bruders, eine Affäre beginnt, aber die Geschichten der beiden erzählen von der Verwicklung von Schuld und Verdrängung und sind ihr zufolge lesenswert.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 18.02.2025

Rezensentin Julia Rothhaas hält sich in diesem Romandebüt der niederländisch-israelischen Schriftstellerin Yael van der Wouden vor allem an die Ebene, auf der das Buch durchaus autobiografisch vom Schicksal jüdischer Holocaust-Überlebender in den Niederlanden erzählt. Für Rothhaas spannender als der Teil des Buches, der eine Liebesgeschichte zweier sehr unterschiedlicher Frauen erzählt. Hier verzettelt sich die Autorin nämlich laut Rezensentin in langatmigen und zum Teils recht schwülstigen Darstellungen queeren Verlangens. Möglicherweise wollte die Autorin in ihrem Buch einfach etwas zu viel auf einmal, überlegt Rothhaas.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 31.01.2025

Rezensentin Katharina Borchardt erzählt von einem Übersetzungsspezialfall: Das Buch der in Israel aufgewachsenen Niederländerin Yael van der Wouden ist zunächst auf Englisch erschienen und dann ins Niederländische übersetzt worden, was seitens der niederländischen Öffentlichkeit eher verhalten aufgenommen wurde - auf Englisch hingegen ist es für den Booker Prize nominiert worden. Der Roman spielt in den Niederlanden der sechziger Jahre, Borchardt möchte gar nicht allzu viel von der Handlung verraten, nur, dass die Besitztümer der im Zweiten Weltkrieg enteigneten Juden eine wichtige Rolle spielen. Im Gegensatz zur ansonsten dem Realismus verhafteten niederländischen Literatur spielt van der Wouden mit einem "bildgewaltigen Duktus" und nahezu "ikonisch angelegten" Charakteren.  Spannung ist garantiert, wenn auch nicht bis zum Schluss, schließt die Rezensentin.

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